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Horst Hermannsen

zur Vermarktungssituation

Spannbreite

Der Kartoffelmarkt verspricht für die kommenden Monate einige Spannung. Bereits bei der Vermarktung von Frühkartoffeln konnten die Landwirte durchwegs interessante Preise erzielen. Dieser Trend setzt sich offensichtlich weiter fort. Die Erzeuger reagieren mit ihrer Anbauplanung richtig. Seit der Jahrtausendwende wurde die Kartoffelfläche in Deutschland um rund 10 Prozent eingeschränkt. In diesem Jahr wurden auf gut 274 000 ha Kartoffeln gepflanzt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem weiteren Rückgang von einem Prozent. Die Entwicklung ist in den Bundesländern allerdings recht unterschiedlich.

Maßgeblich für den bundesweiten Rückgang ist insbesondere die Einschränkung in Niedersachsen, dem mit Abstand bedeutendsten Anbaugebiet. Auch in der gesamten EU wurde der Anbau im Vergleich zum Vorjahr leicht eingeschränkt. Der Hauptgrund für ein insgesamt eher knappes Angebot und deshalb hohe Erlöse ist jedoch weniger die Anbaueinschränkung als vielmehr die witterungsbedingt niedrigere Ernte. Auch wenn verlässliche Zahlen noch fehlen – die Erntemenge 2006 wird vermutlich nicht nur in Deutschland deutlich geringer ausfallen als 2005. Engpässe wird es voraussichtlich bei Verarbeitungskartoffeln sowie bei Übergrößen ganz allgemein geben. Obwohl mittlerweile ein Großteil der diesjährigen Haupternte zur Vermarktungsreife herangewachsen ist, bleibt das Angebot guter Qualitäten überschaubar. Die eingebrachte Ware stellt zudem hohe Anforderungen an die Aufbereitung und Sortierung. Diese Mehraufwendungen haben natürlich auch ihren Preis.

Das alles bedeutet jedoch nicht, dass die Notierungen am Kartoffelmarkt in der nächsten Zeit nur noch nach oben gehen. So ist zum Beispiel die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle mit ihren Prognosen diesmal ausgesprochen zurückhaltend: „Probleme bei der Einlagerung könnten bald einen riesigen Angebotsdruck bringen, genauso wie ein sonniger und trockener September mit kühlen Nächten für das Gegenteil gut ist. Die bisher geschaffenen Voraussetzungen für die Kartoffelvermarktung 2006/07 lassen eine qualitätsbedingt sehr breite Preisspanne erwarten.“

Nicht alle Landwirte können von steigenden Kartoffelpreisen profitieren. Auf Grund bestehender Lieferverträgen mit den Verarbeitern müssen etliche Erzeuger einen Großteil ihrer Ernte zu Festpreisen liefern. Häufig wird ein attraktiver Gewinn, etwa bei Fritten- oder Chipkartoffeln, aber erst mit überdurchschnittlichen Hektarerträgen erwirtschaftet. Die jedoch blieben bislang zumindest aus. Deshalb wird derzeit in Bayern mit besonderem Nachdruck an die Kontraktreue aller Beteiligten appelliert.
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