1

Horst Hermannsen

zu Kartoffeln als Spekulationsobjekt

Ungeeignet

Das Geschäft mit Kartoffeln bleibt attraktiv, in jedem Fall jedoch spannend. Die deutsche Kartoffelernte 2006 wird voraussichtlich mit insgesamt 9,83 Mio. t ungewöhnlich klein ausfallen. Das Aufkommen dürfte sogar noch geringer sein als im Trockenjahr 2003 und ist wohl das niedrigste seit 1994. Ursache für diese Entwicklung sind vor allem die deutlich niedrigeren Naturalerträge. Der durchschnittliche Ertrag wird von Fachleuten auf 359 dt/ha geschätzt; im Vorjahr waren es noch 420 dt/ha. Verantwortlich dafür war die späte Auspflanzung sowie der extreme Wassermangel im Juni und Juli, so dass selbst die ergiebigen Niederschläge im August die Erträge in aller Regel nicht mehr retten konnten. Der regional leichte Rückgang der Anbauflächen hat sich dagegen kaum in nennenswertem Umfang ausgewirkt. Tatsächlich lag der Rückgang in ganz Deutschland bei nur einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während der Anbau von Speisekartoffeln sogar leicht, nämlich um knapp ein Prozent ausgedehnt wurde, reduzierten die Landwirte in erster Linie die Flächen für Industriekartoffeln.

Da sich ein geringeres Kartoffelaufkommen keineswegs nur auf Deutschland beschränkt, sondern auch auf die meisten anderen europäischen Länder, befinden sich die Erlöse bereits seit Wochen auf einem Höhenflug – allerdings immer wieder mit Schwankungen. Dies merken auch die Verbraucher bereits seit Saisonbeginn an den deutlich höheren Preisen im Lebensmitteleinzelhandel. In Bayern beispielsweise kostet das Kilogramm Speisekartoffeln auf der Letztverteilerstufe im Schnitt 58 Cent; das sind nahezu 50 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Vor allem aber auf den Terminmärkten konnten sich die Notierungen nicht nur stabilisieren, sondern sogar spürbar befestigen. Für April 2007 sind die Preiserwartungen besonders im Sektor der Veredelungskartoffeln sogar noch deutlich höher. Gegenüber dem Termin November 2006 wird demnach eine Preissteigerung um gut 8 €/dt erwartet. Speziell im Bereich der Speisekartoffeln rechnen Marktbeobachter mit einer zusätzlichen Preiserhöhung von 2 bis 3 €/dt. Die weiteren Aussichten am Kartoffelmarkt werden überwiegend als positiv bezeichnet. Voraussetzung dafür bleibt jedoch eine verlässliche und kontinuierliche Marktbeschickung. Die Kartoffel eignet sich grundsätzlich nicht als Spekulationsobjekt. Dies gilt in besonderem Maße in diesem Wirtschaftsjahr.

Denn die hohe Bodenfeuchtigkeit im August verursachte eine ganze Reihe von Problemen, die sich durchaus negativ auf die Eignung für eine längere Lagerung auswirken könnte. Erntejahre mit teilweise fragwürdigen Qualitäten stellen aber auch hohe Anforderungen an die Disziplin der Marktpartner. Wer für schlechte Partien hohe Preise verlangt, der erweist der gesamten Kartoffelwirtschaft einen schlechten Dienst. Der Verbraucher ist bekanntlich nachtragend und quittiert solches Verhalten mit veränderten Verzehrsgewohnheiten.
stats