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Hermann Steffen

zu Pflanzkartoffeln

Zu früh

Obwohl die Kartoffelernte noch nicht ganz beendet ist und noch kein Pflanzgut zur Verfügung steht, sorgt die Aussicht auf einen knappen Pflanzgutmarkt für Unruhe. Betroffen ist in erster Linie der Verarbeitungsbereich mit den gefragten Monopolsorten, die sich nicht ausreichend beschaffen lassen werden. Dass Kaufanfragen nicht in vollem Unfang bedient werden, ist sicherlich ärgerlich für die Interessenten, denn die Wilhelm Weuthen GmbH & Co KG in Schwalmtal als Vertreiber dieser Sorten scheint die Monopolstellung bei der Zuteilung auszunützen. Doch wenn in erster Linie die eigenen Kunden bedient und Konkurrenten nicht mit zusätzlichen Mengen beliefert werden, ist dies nachvollziehbar. Neukunden wird zu deren Leidwesen das begehrte Pflanzgut, wenn überhaupt, nur gegen eine Rücklieferungsgarantie des Aufwuchses zum Tagespreis oder zum Kontraktpreis in Aussicht gestellt. Die Vermutung, dass die Saatgutmengen ausschließlich für Verträge an die Industrie verwendet werden sollen, liegt zwar nahe, doch derzeit gibt es weder Vertragsofferten noch irgendwelche Kontraktpreise. Die Aussicht auf Pflanzgutlieferungen in Kombination mit Verträgen mag vielen Landwirten gar als Nötigung vorkommen. Von Verträgen mit Festpreisen sind viele Bauern nach den Erfahrungen nicht nur dieses Jahres erst einmal kuriert. Eine nennenswerte Bereitschaft zu Festpreiskontrakten ist kaum auszumachen, selbst wenn unterschwellig deutlich höhere Kontraktpreise signalisiert werden. Nicht nur die Landwirte rechnen durch die problematische Verarbeitungsware in der kommenden Saison mit einer sehr frühen Nachfrage der Fabriken nach neuer Ware. Ein hohes Preisniveau für Frühkartoffeln scheint vorprogrammiert. Als sicher gilt auch, dass das Pflanzgut teuer wird. In der Branche schließt man Pflanzgutpreise von bis zu 60 € pro 100 kg frei Hof für die sehr gefragten Sorten nicht aus. Doch noch gibt es weder konkrete Pflanzgutpreise noch einen Überblick darüber, was letztendlich an Saatgut zur Verfügung stehen wird. Die Züchtertage in Holland in 14 Tagen dürften zumindest in preislicher Hinsicht Klarheit bringen.

Im Speisebereich sehen die deutschen Züchter die Situation weniger dramatisch, auch wenn die gefragten Sorten ebenso allenfalls knapp werden. Doch noch sind nicht einmal alle vermehrten Partien in den Scheunen und die Anerkennungsverfahren werden sich etwa 14 Tage hinziehen. Erst dann will man sich zu Preisen und Verfügbarkeiten äußern. Wo gesunde Partien eingelagert wurden, werden erfahrene Kartoffelbauern sicherlich den Nachbau versuchen, falls die Virustests negativ ausfallen. Bei der knappen Verfügbarkeit spezieller Sorten sicherlich eine legitime Alternative, falls die Züchterlizenzen auch ordnungsgemäß abgeführt werden. Ob die eigene Aufbereitung auch außerhalb der Gesundlagen möglich sein wird, bleibt bei den schwierigen Qualitäten in diesem Jahr abzuwarten.
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