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Jan Peters

zu Marktversorgung

Kontinuität

Die Preise für Speisekartoffeln in Norddeutschland werden in den nächsten Wochen kaum einen größeren Spielraum nach unten hin haben. Aufgeheizt durch die positive Berichterstattung vieler Medien über eine angebliche Knappheit von Speisekartoffeln in gesuchter Qualität dürften die Preise ihr festes Niveau beibehalten. Einige Landwirte glauben sogar, dass sie ihre Speisekartoffeln beim Verkauf fast mit Gold aufwiegen können.

Die starke Trockenheit im Frühjahr und Sommer dieses Jahres engte das Angebot an Speisekartoffeln in der EU-25 stark ein. Die Versorgung des Marktes kann zwar gewährleistet werden, allerdings zu deutlich höheren Preisen als im vergangenen Jahr. Für die Sorten Cilena und Linda liegen die Großhandelseinstandspreise am Hamburger Markt mit 32,00 €/dt bis 36,00 €/dt. Zum gleichen Zeitpunkt im Jahre 2005 lagen die Großhandelseinstandspreise gerade bei 18,00 €/dt bis 22,00 €/dt. Nach Abschluss der Erntearbeiten hat sich das Angebot aus der Erzeugerstufe jetzt wieder etwas reduziert. Vereinzelt werden Partien angeboten, die sich nicht für die Langzeitlagerung eignen. Dies wird von Hamburger Händlern als sehr kritisch betrachtet. Da keine Ware direkt oder frisch vom Feld mehr zur Verfügung steht, wird der Markt teilweise mit durchgeschwitzter Ware aus Dauerlagern versorgt. Ware, die nicht eindeutig dem qualitativen Niveau der Verbrauchernachfrage entspricht, muss alternativen Verwertungsmöglichkeiten zugeführt werden. Eine sorgfältige Lagerkontrolle ist in diesem Jahr besonders wichtig. Das Lagerrisiko ist gegenüber den vergangenen Jahren deutlich erhöht.

Wer den Markt über längere Zeit beobachtet hat, der wird feststellen, dass sich der Marktverlauf in den vergangenen Jahren in etwa ähnelt. Zwischen Ernte und dem Jahreswechsel notierten die Preise meist auf einem stetigen Niveau. Die Abpackbetriebe deckten sich während dieser Zeit verstärkt ein. Die Preise tendierten fest, da die Landwirte meist während dieser Zeit wenig Verkaufsinteresse zeigten und mit den anderen Erntearbeiten oder mit der Herbstbestellung beschäftigt waren. Mit Beginn der Winterzeit nahm bei ihnen das Verkaufsinteresse wieder zu, so dass die bis dahin festen Preise für Speisekartoffeln meist ins Stocken gerieten.

Heute steht der Markt wieder an einem Punkt, wo nur geringe Mengen an Speisekartoffeln aus der Erzeugerhand losgeeist werden können. Deshalb wird die feste Preistendenz sicherlich bis zum Jahresende anhalten. Im neuen Jahr kann es dann ab März aufgrund des höheren Angebotes mit Frühware aus dem Mittelmeerraum zu Preisschwächen kommen. Ob der Markt die verbleibende Ware dann noch zu festen Preisen aufnehmen kann, muss in Frage gestellt werden.

Wer zu diesem Zeitpunkt auf das falsche Pferd gesetzt hat, wird Geld verlieren, da er bei erhöhten Lagerkosten, mit einem erhöhten Lagerrisiko und dem Lagerschwund rechnen muss. Landwirte sollten gerade jetzt das Verkaufen nicht vergessen. Offenbar ist der Lebensmitteleinzelhandel derzeit nicht mehr bereit, Preisaufschläge auf die ohnehin relativ hohen Einstandspreise zu bewilligen. Eine kontinuierliche Belieferung der Märkte bleibt auch in diesem Jahr, in dem die Notierungen ein erfreulich hohes Niveau erreicht haben, das Gebot der Stunde.
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