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Brigitte Stein

zum Sparen an der Forschung

Standortfrage

Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) will die Ressortforschung grundlegend umgestalten und dabei kräftig sparen. Davon betroffen sein wird unter anderem das Institut für landwirtschaftliche Kulturen an der Bundesanstalt für Züchtungsforschung (BafZ) in Groß Lüsewitz. Welche Konsequenzen das für die dort geleistete Arbeit haben wird, ist noch nicht ganz deutlich. Das Institut für abiotische Stresstoleranz, das ebenfalls am Standort Groß Lüsewitz sitzt, wird integriert werden in die Arbeit der BafZ in Quedlinburg. Das ist immerhin definiert. Vermutlich wird die Arbeit der Kulturpflanzenforscher seitens der Politik für entbehrlich angesehen.

Das ist schwer vorstellbar, weil sich die BafZ erst am 12. Oktober noch mit den Ergebnissen aus der Ressortforschung des BMELV gebrüstet hat: „Gesunde Kartoffeln aus Groß Lüsewitz“ lautete die Pressemitteilung. Gelobt wurden die langfristig ausgerichteten Forschungsarbeiten, die mit konventionellen Züchtungsmethoden auf eine dauerhafte Resistenz gegen Phytophthora hinarbeiten. Wer öffentliche Sparmaßnahmen kennt, muss nun aber davon ausgehen, dass die von Dr. Ulrich Darsow begonnene Züchtungs- und Selektionsarbeit nicht weitergeführt wird, wenn dieser in wenigen Monaten in den Ruhestand gehen wird. Der künftige neue BafZ-Standort in Quedlinburg ist für Kartoffelzüchtung denkbar ungeeignet. Nicht zufällig haben sich deutsche Kartoffelzüchter Standorte in Gesundlagen wie Groß Lüsewitz eingerichtet. Doch solche Überlegungen scheinen bei Planspielen zum Sparen an der Forschung von geringem Gewicht. Weitere Argumente könnten für den Standort Groß Lüsewitz sprechen, wie die Gen-Bank oder das Agrobiotechnikum, in dem sich private Unternehmen nahe der BafZ ansiedeln wollten.

Vermutlich wird keines der Argumente zählen, wenn gespart werden soll. Eine Privatinitiative zum Erhalt der Kartoffelforschung, wie sie für die Versuchsstation Dethlingen gelang, scheint unrealistisch. Damit wird die Grundlagenforschung künftig in die einzelnen Züchterhäuser verlagert werden – sofern sie sich so eine langfristige Arbeit leisten können. Deutschland, das geographisch ein guter Standort für Züchtungsforschung an Kartoffeln ist, vergibt diese Aufgabe in private Hände.

Anders denken niederländische Politiker, wenn sie die Forschung an Resistenz gegen Phytophthora zur nationalen Aufgabe erklären und 10 Mio. € investieren. Eine derart nationale Bedeutung wird der Kartoffel in Deutschland wohl kaum zuerkannt.
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