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Jan Peters

zur Kontrakttreue

Grundlage

Der Wettbewerb im Handel mit Speisekartoffeln, der mittlerweile an Härte spürbar zugenommen hat, fordert Erzeuger und aufnehmende Hand geradezu heraus, Geschäfte auf klare Grundlagen zu stellen. Diese sollten immer durch eindeutige schriftliche Verträge geregelt sein. Dies ist im Kartoffelhandel vielerorts noch längst nicht der Fall. So hörte man in den vergangenen Wochen beim Handel mit Speisekartoffeln immer wieder von Schwierigkeiten bei der Abwicklung von Kontrakten. Die im allgemeinen Geschäftsleben übliche Vertragstreue muss auch im Kartoffelhandel auf der Erzeuger- und Handelspartnerebene durchgesetzt werden. Die lockeren Verkaufs- oder Einkaufsverhandlungen mit Landwirten, bei denen die Handelsstufe in diesem Jahr oft das Nachsehen hat, können so nicht weiter betrieben werden.

Absatzchancen im Handel mit Speisekartoffeln müssen vermehrt mit vertraglich abgesicherten Verpflichtungen genutzt werden. Vertragslandwirtschaft ist bei vielen Landwirten noch immer ein nicht sonderlich beliebtes Thema; besonders nicht in dem von Ordnungen befreiten Kartoffelmarkt. Dennoch werden die Vertragslandwirtschaft sowie die feste kontraktliche Bindung zwischen dem Landwirt und seinem Partner im Kartoffelhandel zukünftig eine viel größere Bedeutung erlangen. Der Handel mit Speisekartoffeln findet auf vielen Betrieben das ganze Jahr über statt. Bei den Verkaufsgesprächen stehen die Qualität, die Preise und die Mengen im Mittelpunkt des Geschäfts. Dabei wurden bislang die Rahmenbedingungen der Geschäfte lose abgesteckt, wobei meist der Preis pro Einheit die übergeordnete Rolle spielte. Insbesondere bei den Mengen und Qualitäten wurden bisher größere Toleranzen hingenommen.

In einem Jahr wie diesem mit hohen Preisen und sehr unterschiedlichen Qualitäten jedoch kommt es immer wieder zu Problemen bei der Lieferung. Die erforderlichen Qualitätsstandards können oft nicht eingehalten werden. Daraufhin gelangen lagerkritische Partien an den Markt und führen zu Qualitätsproblemen bei der Vermarktung.

Bei fehlenden kontraktlichen Grundlagen führt dies zu Missstimmungen und Ungereimtheiten unter den Beteiligten. Mit dem fortschreitenden Strukturwandel zu größeren Einheiten in der Landwirtschaft und insbesondere mit den großen Betrieben in den neuen Bundesländern dürfen derartige Mengen- und Qualitätstoleranzen eigentlich nicht mehr auftreten.

Am Kartoffelmarkt muss sich die bindende Wirkung des Kontraktes zwischen aufnehmender Hand und Erzeuger stärker durchsetzen. Im Handel gibt es aber gerade in einem Jahr wie diesem, wo in der Erzeugerstufe über eine mangelnde Lagerfähigkeit geklagt wird, unzählige unvorhergesehene Schwierigkeiten, die bei der Erfüllung und Abwicklung eines Geschäftes auftreten können. Auch zwischen dem Kartoffelgroßhandel und seinen Partnern im Lebensmitteleinzelhandel gibt es feste, von beiden Seiten einzuhaltende Kontrakte. Diese sind die Rechtsgrundlage des Geschäfts und zwingen die Partner zur Vertragstreue. Nur so ist es möglich, langjährig miteinander zu handeln. Vertrag ist Vertrag, und dieser muss von beiden Seiten eingehalten werden – auch in der Erzeugerstufe.
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