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Jan Peters

zu Preiserwartungen

Fairness

Die Preise an den hiesigen Märkten für Speisekartoffeln in Norddeutschland wurden in dieser Woche fortgeschrieben. Durch die relativ knappe Versorgung bleibt damit die feste Preissituation den hiesigen Märkten bestehen. Einige Hamburger Marktteilnehmer erwarten angesichts des zu erwartenden Bedarfs an Speisekartoffeln in den verschiedenen Verwendungsbereichen durchaus noch Spielraum für anziehende Kurse. Die Lagerung in der Erzeugerstufe bereitet so manchen Landwirten derzeit angesichts der für die Jahreszeit zu warmen Temperaturen Probleme.

In den USA hat es in den zurückliegenden Tagen einen heftigen Wintereinbruch mit Minustemperaturen von mehr als 30 Grad gegeben. Einige Wetterpropheten gehen davon aus, dass nach der Statistik in zwei bis vier Wochen mit einer ähnlichen Wetterlage hierzulande zu rechnen ist. Ein plötzlicher Frosteinbruch dürfte zu einer deutlichen Nachfragebelebung führen.

Dies sollte eigentlich steigende Preise nach sich ziehen. Aber die Konkurrenz ist wachsam. So wurden in den westlichen Nachbarländern, beispielsweise in Frankreich große Vermarktungseinheiten mit einem kostengünstigen Vertrieb aufgebaut. Dort arbeiten die Mitglieder in der Wertschöpfungskette partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammen und haben zunehmend die westdeutschen Märkte im Visier ihrer zukünftigen Absatzgebiete. Gut 100.000 t Speisekartoffeln dürften im laufenden Wirtschaftsjahr 2006/07 an die deutschen Märkte gelangen.

Dies muss die Beteiligten bedenklich stimmen, denn hierzulande hat die Kartoffel im Anbau längst nicht mehr die Bedeutung der vergangenen Jahre. Hohe Getreidepreise, neue Absatzwege im Bereich der Biotreibstoffe und der Boom von Biogasanlagen lassen die Konkurrenz der Früchte untereinander stark zunehmen. Wenn der Preisauftrieb beim Raps und Getreide in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird, dürften sich einige Erzeuger vom arbeitsaufwendigen Kartoffelanbau verabschieden. Daneben sprechen die hohen Pflanzgutpreise sowie steigende Treibstoffkosten bereits jetzt gegen den Kartoffelanbau – es sei denn der Erlös steigt deutlich. Im Kartoffelanbau ist der Vertragsanbau im Vormarsch. Verlässliche Vermarktungspartner, die auch über eine gewisse Größe und eigene Strategie bei der Vermarktung verfügen, sind für die Zukunft gefragt. Gemeinsam muss sauber kalkuliert werden. Nur dann kann man dem härteren europäischen Wettbewerb gelassen entgegen sehen.
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