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Hermann Steffen

zu Anbauplanungen

Profis

Gespannt darf man auf die Entwicklung der Anbauflächen für dieses Jahr sein. Einerseits werden für Speise- und freie Kartoffeln sehr hohe Preise gezahlt. Andererseits gibt es erhebliche Qualitätsprobleme und unbefriedigende Kontraktpreise im Verarbeitungssektor. Nach ersten Einschätzungen des Handels scheinen sich Befürchtungen über einen Anbaurückgang jedoch nicht zu bestätigen – nicht einmal bei gebeutelten Landwirten, die ihre zu niedrigen Preisen abgeschlossenen Kontrakte jetzt mit teurem Rohstoff bedienen müssen. Unterm Strich wird bei Frühkartoffeln und speziell bei Verarbeitungsware sogar eine leichte Anbauausdehnung prognostiziert. Dabei bleibt abzuwarten, ob es bei frühen Sorten ausreichend Pflanzgut gibt. Die Verfügbarkeit lässt sich zwar noch nicht exakt greifen, doch sollte insgesamt ausreichend Saatgut vorhanden sein, wenn auch nicht von jeder Sorte.

Hoch sind die Pflanzgutkosten allemal. Sie steigen nach der Preisanhebung von durchschnittlich 40 bis 50 Prozent auf insgesamt 1.200 bis 1.500 €/ha im Schnitt an, bei teuren Sorten sogar noch mehr. Auch das ließ eigentlich erwarten, dass der Anbau nicht ausgedehnt wird. Die höheren Kosten werden jedoch höchstens kleine Landwirte abschrecken. Das einstige Motto „rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“ lässt sich sonst kaum noch auf das Anbauverhalten übertragen. Denn danach hätte sich bereits nach einer zufrieden stellenden Saison 2005 im vergangenen Jahr eine Anbauausdehnung erwarten lassen. Tatsächlich waren 2006 die Flächen jedoch trotz der neu eingeführten OGS-Prämien geringfügig rückläufig gewesen. Es sieht so aus, als dass der Kartoffelanbau in Deutschland eine stabile Größe in der Hand von Profis geworden ist, die sich von Extremen kurzfristig nicht beeindrucken lassen.

Doch mit dem ungebrochenen Boom von Biomasse sowie den hohen Raps- und Getreidepreisen sind ernstzunehmende Flächenkonkurrenten erwachsen. Die Terminmärkte für die kommende Getreideernte signalisieren schon jetzt ein hohes Preisniveau. Aber auch für Kartoffeln scheinen die Voraussetzungen nicht schlecht zu werden. Alterntige Verarbeitungsware dürfte bereits weit vor dem Beginn der heimischen Frühkartoffelsaison geräumt sein und im Rheinland stellen die Fabriken und der Handel den Forderungen der Erzeuger nach einer 25prozentigen Anhebung der Vorvertragspreise zumindest eine Annäherung in Teilbereichen in Aussicht. Im Speisemarkt sollte es schon höchst ungünstig kommen, wenn die deutschen Landwirte nicht von den hohen Startpreisen der Kampagne profitieren sollten. Auch für die Haupternte könnte die freundliche Tendenz anhalten, denn die RMX notiert den Speisekartoffelfuture für Februar 2008 mit mehr als 12 € und der Verarbeitungskontrakt kratzt für den April-Termin des kommenden Jahres schon an der Marke von 15 €. Das wären im dritten Jahr hintereinander gute Preise für die Kartoffelbauern, die aber aus den Vorjahren sicherlich noch Nachholbedarf haben.
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