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Steffen Bach

zur Vertragsverhandlung

Teure Fläche

Die Vertragsverhandlungen für Industriekartoffeln ziehen sich in Niedersachsen in diesem Jahr in die Länge. Genau genommen haben sie bisher noch nicht einmal richtig begonnen, denn die Verarbeiter haben Handel und Erzeugern noch keine konkreten Zahlen auf den Tisch gelegt. In den vergangenen Jahren waren die Anbauverträge bis Anfang Januar unter Dach und Fach, und die Landwirte konnten mit den Planungen für die bevorstehende Saison beginnen.

In den kommenden Wochen stehen schwierige Verhandlungen an. Allen Beteiligten ist dabei klar, dass am Ende höhere Preise vereinbart werden als für die Ernte 2006. Die auf den Anbau von Industriekartoffeln spezialisierten Betriebe in Nordwestdeutschland müssen die gestiegenen Produktionskosten durch höhere Erlöse ausgleichen. Preistreiber sind dabei neben den gestiegenen Kosten für Pflanzgut und Energie vor allem die Pachtpreise.

Ackerflächen sind in den Veredelungszentren zwischen Osnabrück und Oldenburg schon lange knapp. Im zurückliegenden Jahr hat sich der Kampf um die Fläche durch neue Biogasanlagen zusätzlich verschärft. Hinzu kommt ein Bauboom bei Schweineställen. Landwirte, die die Mast nicht in einen gewerblichen Betrieb ausgliedern wollen, müssen bei einer Aufstockung des Viehbestandes entsprechend größere eigene Flächen nachweisen und sind deshalb oft bereit, hohe Pachtpreise zu zahlen. Hinzu kommt, dass sich den Landwirten Anbaualternativen bieten. Die Betreiber von Biogasanlagen locken mit lukrativen Angeboten für den Maisanbau. Für Weizen, Gerste und Raps werden die Preise nicht mehr vom Interventionsniveau diktiert, sondern durch die gestiegene Nachfrage aus der Bioenergiebranche bestimmt.

Für die großen, spezialisierten Kartoffelanbauer, die in teure Technik für Produktion und Lagerung investiert haben, kommt eine Reduzierung der Anbaufläche nicht in Frage. Sie müssen dafür oft einen hohen Preis zahlen. Für ertragreiche Standorte werden Pachtpreise von bis zu 1±000 € gefordert und akzeptiert. Aber viele kleinere Produzenten, bei denen die Kartoffel nicht die Hauptrolle spielt, könnten sich für andere, lukrativer erscheinende Früchte entscheiden. Der Grundsatz, dass die Erzeuger auf hohe Marktpreise mit einer Ausdehnung der Anbaufläche reagieren, gilt zumindest für den Nordwesten Niedersachsens nicht mehr automatisch.

Auf Seiten der Erzeuger werden für die Anbauverträge gegenüber dem Vorjahr Preissteigerungen von 2,00 bis 2,50 Euro/dt diskutiert. Damit würden lediglich die höheren Produktionskosten ausgeglichen, heißt es. Viel Zeit haben die Marktpartner nicht mehr. Spätestens bis Ende Februar sollte Klarheit herrschen, damit genug Zeit für die Anbauplanung bleibt.
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