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Jan Peters

zu Frühkartoffellieferungen

Einflussreich

Am Kartoffelmarkt gibt es in der aktuellen Kampagne reichlich Raum für Diskussion und Spekulation. Es wird derzeit zwar von einem bedarfsdeckenden Angebot berichtet, die Preise haben sich aber entgegen aller Erwartungen nicht weiter nach oben entwickelt. Mitte des kommenden Monats wird mit verstärkten Lieferungen von Frühkartoffeln aus dem Mittelmeerraum gerechnet. Möglicherweise sind diese Lieferungen als Vorboten für niedrigere Preise in der kommenden Saison 2007/08 zu werten. Verantwortlich für die lebhaften Diskussionen der vergangenen Monate sind die Wetterkapriolen im Jahr 2006. Die Erntemenge reduzierte sich dadurch auf 9,8 Mio. t Kartoffeln von 11,6 Mio. t im Jahr 2005/06. Damit wurde sogar noch die kleine 2003er Ernte von 9,9 Mio. t leicht unterschritten. Gleichzeitig wurden auch in nahezu allen anderen EU-Ländern kleinere Ernten eingefahren. Für die EU-25 gehen Hamburger Marktexperten von etwa 54 Mio. t Kartoffeln aus, die 2006 geerntet wurden – nach den 58,6 Mio. t ein Jahr zuvor.

Diese Zahlen hatten vor allem auch psychologische Effekte auf das Verhalten der Marktteilnehmer. Preislich hat sich der Markt sofort darauf eingestellt. Die Einstandspreise für Speisekartoffeln am Hamburger Markt mit durchschnittlich 32 €/dt bis 36 €/dt stiegen auf fast 50 Prozent über das Niveau des Vorjahres. Was ist jetzt für die neue Saison 2007/08 zu erwarten? Den Spekulationen über eine Ausdehnung der Anbaufläche für Speisekartoffeln im kommenden Frühjahr stehen die hohen Kosten für das Pflanzgut entgegen. Ob sich die hohen Beschaffungskosten für Pflanzgut in diesem Jahr durch hohe Erträge und Erlöse in der nächsten Ernte wieder einholen lassen, kann derzeit niemand beantworten. Zudem stehen umfangreiche Lieferungen von Speisekartoffeln aus dem Mittelmeerraum an. Die Mengen werden über denen des Vorjahres liegen und das Preisniveau in den kommenden Wochen drücken, davon sind Hamburger Händler überzeugt.

Nach Angaben der Bonner ZMP wird allein Spanien mit geschätzten mehr als 100±000 t Frühkartoffeln fast 40 Prozent mehr Ware nach Deutschland liefern als im Vorjahr. Die knapp versorgte Verarbeitungsindustrie wird sich über diese Lieferungen freuen. Aber auch auf Zypern und in anderen Mittelmeerstaaten ist der Anbau mit Blick auf die hohen Kartoffelpreise in Nordeuropa ausgedehnt worden. Angesichts des hohen Bedarfs der hiesigen Verarbeiter kommen diese Lieferungen zur rechten Zeit, werden aber das Preisgefüge hierzulande beeinflussen. Somit könnte der Markt im Frühjahr ausreichend versorgt sein. Leichte Preisschwächen – auf hohem Niveau – sind daher nicht auszuschließen. Damit werden Frühkartoffelimporte aus dem Mittelmeerraum Auswirkungen auf das nächstjährige Preisgefüge haben.
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