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Jan Peters

zur Wertschöpfungskette

Neue Wege

Aus der aktuellen Auswertung zur privaten Nachfrage an den Speisekartoffelmärkten geht hervor, dass der Verbrauch von frischen Kartoffeln im Jahre 2006 in Deutschland um über 3 Prozent hinter dem Vorjahr zurückgeblieben ist. Damit hat sich der langfristige Trend wieder einmal bestätigt. Die rückläufige Tendenz konnte man im laufenden Wirtschaftsjahr 2006/07 besonders gut erkennen. Der heiße Sommer 2006 hat nicht nur zu niedrigeren Erntemengen bei den Kartoffeln geführt, sondern auch der Verbrauch an frischen Speisekartoffeln ist eingebrochen. Hamburger Händler gehen davon aus, dass das warme Wetter im Sommer und Herbst des vergangenen Jahres dazu geführt hat, dass mehr als 15 Prozent weniger Kartoffeln als im Vorjahr abgesetzt werden konnten.

An den weiter rückläufigen Einkäufen der privaten Haushalte zeigt sich die Notwendigkeit, dass in Deutschland Vermarktungsstrukturen überdacht werden müssen. In den vergangenen fünf Jahren sind die Einkäufe sogar um über 15 Prozent zurückgegangen. Dies entspricht einer Erntemenge von rund 250±000 t Kartoffeln. Diesem Trend muss entgegengewirkt werden. Damit ist der Verbrauch von Kartoffelprodukten eindeutig rückläufig. Tiefkühl- und Nudelprodukte sind wohl die größten Gewinner gegenüber den Speisekartoffeln. Diese haben im Marketing eindeutige Vorteile. Zukünftig wird nur der erfolgreich sein, der Professionalität bei der Vermarktung von Speisekartoffeln besonders im Bereich des Marketings anwendet. Die Vertragslandwirtschaft im Anbau von Speisekartoffeln wird auf jeden Fall zunehmen. Produziert werden darf nur nach festgelegten Richtlinien. Der Anbau sollte nur auf ausgesuchten und geeigneten Böden mit ausgewählten Sorten und einer durchgängigen Kontrolle von der Pflanzung bis zur Ernte, Lagerung und Vermarktung stattfinden. Bei der künftigen Vermarktung wird auch die Regionalität der Marke von besonderer Bedeutung sein. In so eine Strategie muss auch der Lebensmitteleinzelhandel mit eingebunden sein. Auch das Erscheinungsbild der Kartoffel muss sich ändern. Ungewaschene und in 50-kg-Jutesäcken angelieferte Kartoffeln lassen nicht gerade den Appetit auf Speisekartoffeln steigen. Gewaschene Ware in 2,5-Kilogramm-Netzsäcken dagegen hat ein positives Image und fördert den Absatz. Nur mit einem positiven Erscheinungsbild lassen sich tatsächlich Umsatzzuwächse erzielen. Die Qualität muss im Vordergrund stehen, nicht unbedingt der Preis.

Zukünftig müssen alle Mitglieder der Wertschöpfungskette partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Die Bereitschaft der Landwirtschaft ist dafür vorhanden. Klar müsste den Marktbeteiligten dabei sein, dass erzeugte Qualitäten nur planbar sind, wenn die Landwirte auch entsprechend gute Erlöse für ihre Ware zugesichert bekommen. Gerade in der heutigen Zeit, wo die Konkurrenz der Ackerfrüchte untereinander durch die gestiegenen Getreidepreise und den Biogasboom zugenommen hat, müssen die Preise für die Speisekartoffeln auf ein angemessenes Niveau angehoben werden. Die Kartoffel ist nicht mehr so unumstritten wie früher. Qualitativ gute Ware verlangt auch ihren Preis. Wenn dieses Ziel nicht erreicht wird, werden sich die Landwirte aus der Kartoffelerzeugung zurückziehen. Dieser Situation sollten sich alle bewusst sein.
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