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Hermann Steffen

zur Beregnung

Teurer Spaß

Die Trockenheit hat die Kartoffelmärkte bisher nur teilweise tangiert: Die Keimlinge können rund vier Wochen von der Mutterknolle leben und nun hat es fast überall geregnet. Doch das Vertrauen in die Wasserversorgung von „oben“ scheint nicht sehr ausgeprägt zu sein, denn Beregnungsanlagen sind ausverkauft. Wer den richtigen Zeitpunkt für die Investitionsentscheidung verpasst hat, wird möglicherweise nun des Öfteren beten müssen, zumal das Beregnungsgeschäft für diese Saison gelaufen ist. Die Frühkartoffelanbauer in der Pfalz und Niedersachsen berührt das wenig, denn Beregung ist für sie schon fast die Regel. Im Rheinland reichen die Sprinkleranlagen zwar für Zweidrittel der ‚Frühen’, aber nicht einmal für die Hälfte der Gesamtanbauflächen aus. Im zweitgrößten Erzeugerland Bayern kommen Niederschläge auf den Feldern noch weitgehend vom Himmel und allenfalls ein gutes Viertel der kleinstrukturierten Kartoffelbetriebe behilft sich mit irdischem Nass.

Während die großen Anbauer dabei sind, ihre Beregnungskapazitäten aufzustocken, scheuen viele kleinere Landwirte die erheblichen Investitionen. So kommen für eine komplette Beregnungsanlage für rund 50 ha Fläche leicht 200±000 € zusammen. Für den, der sehr tief nach Grundwasser bohren muss oder der auf Streuflächen wirtschaftet, wird es richtig teuer. Auch die laufenden Kosten haben es in sich, zumal eine zweimalige Beregnung mit insgesamt 50 mm mit 150 bis 200 € /ha zu Buche schlägt. Bei einem Durchschnittsertrag von 500 dt/ha müssen die Kartoffeln bei Verkauf dafür schon fast 1 €/100 kg mehr bringen. Sollten mehr als diese beiden Beregnungsgänge notwendig sein, verteuert sich die Produktion entsprechend und der Mehrerlös für den Doppelzentner sollte unbedingt an die 2 € heranreichen.

Wenn der Markt dies nicht hergibt, wird es ein teurer Spaß, der zudem noch mit sehr viel Arbeit verbunden ist. Doch die Hoffnung, das investierte Geld in den kommenden Jahren wieder zu sehen, scheint begründet. In der auslaufenden Kampagne konnten die Beregnungsbetriebe im Rheinland die Abschreibung ihrer Anlagen in nur einer Saison gleich für mehrere Jahre erwirtschaften. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen erntete 2006 auf einem Versuchsfeld mit leichten Böden mehr als 120 dt/ha mehr als auf der unberegneten Vergleichsfläche. Das lässt sich kaum auf den Schnitt der Jahre übertragen, dürfte aber ein Anreiz für entsprechende Investitionen sein.

Bei der Beregnungswürdigkeit steht die Kartoffel zusammen mit Gemüse unangefochten an erster Stelle und der Qualität kommt es auch noch zugute. Bewässerung passt aber keineswegs überall hin. Ein begrenzender Faktor ist zweifelsohne die Wasserverfügbarkeit bestimmter Standorte. Wenn im Zuge des Klimawandels die Trockenperioden in unseren Breitengraden künftig wie prognostiziert zunehmen, könnte Beregnung für einige Kartoffelregionen zum ‚Muss’ werden, während der Anbau in anderen Gebieten verschwinden würde. Zu überhasteten Investitionen besteht sicherlich noch kein Grund. Wenn aber Neuinvestitionen für die kommenden zehn Jahre anstehen, sollte man sich vor Augen halten, dass bei absehbaren Veränderungen der Grundwasserverhältnisse in absehbarer Zukunft höchstwahrscheinlich auch nicht mehr jede geplante neue Brunnenbohrung genehmigt wird.

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