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Brigitte Stein

zur Imagepflege

Bildhübsch

Fest steht: Der Verbrauch an Kartoffeln geht in Deutschland immer weiter zurück. Dafür gibt es mehrere Ursachen. Nicht alle lassen sich von der Kartoffelbranche aus beeinflussen, aber resignieren ist mit Sicherheit falsch. Eine Ursache ist zum Beispiel, die immer knapper werdende Zeit, die in den Haushalten für die Zubereitung von Mahlzeiten zur Verfügung steht. Da scheint die traditionelle Salzkartoffel unpraktisch. Doch muss ein engagierter Werber für die Kartoffel das Argument nicht gelten lassen. Die einfache Zubereitung ganzer Knollen in der Mikrowelle passt sehr gut zum modernen Leben. Nur hat sich dieses Rezept in den eiligen Küchen noch immer nicht herumgesprochen – und noch immer gibt es im Laden nur wenige Tüten, auf denen erklärt wird, wie es geht. Der immer wichtigere Außer-Haus-Verzehr wird ebenfalls gerne als Argument für den rückläufigen Verbrauch genannt. Und auch an dieser Stelle muss man nicht die Hände in den Schoß legen. Dass sich bei erfolgreicher Werbung um die großen Essensverteiler wie Kantinen und Caterer zugleich große Mengen bewegen lassen, versteht sich von selbst. Manche Idee von modernen Rezepten und gesunder Ernährung findet gerade über die Großküche oder Gastronomie den Weg in die häusliche Küche. Zudem bieten Großküchen die Möglichkeit, der Kartoffel den Weg auf manchen Teller zu ebnen – nur schmecken muss sie, damit die Wirkung nachhaltig positiv ist. Konkrete Ansatzpunkte gibt es also genug.

Das altbackene Image der Knolle wird als weitere Ursache für das nachlassende Verbraucherinteresse gerne beklagt. Doch muss sich da gerade die Kartoffelbranche an die eigene Nase fassen: Denn wer sollte das Image des Produktes polieren und modernisieren, wenn nicht die Branche selbst! Sicher ist dafür ein wenig die CMA zuständig, auch kann die Unika Kräfte bündeln. Doch muss nicht zuletzt die gemeinsame Bemühung um Qualität im Laden dazu passen.

Unterstützung kommt von unerwarteter Seite: Wie schöne Kartoffeln aussehen und werbewirksam in Szene gesetzt werden können, zeigt dieser Tage gerade die Rewe-Gruppe. Das Unternehmen ist bemüht, sich zu profilieren und Kompetenz im Frischehandel zu beweisen. „Jeden Tag ein bisschen besser“ lautet der Slogan der neuen Rewe, die sich nun auch als einheitliche Marke auf Produkten positioniert. Imagewerbung in Zeitungen und Wände füllende Plakate in der Nähe von Rewe-Märkten gehören dazu. Eines der unterstützenden Motive bei der Imagewerbung sind blitzblanke, bildhübsche Kartoffeln. Ins rechte Licht gerückt, erinnern sie in keiner Weise an Kellerkinder. Auch als Bildschirmmotiv zum Herunterladen von ihrer Internetseite bietet die Rewe-Gruppe Kartoffeln als frische Appetitmacher an neben knackigen Äpfeln und saftigen Zitronen – keine Spur von altbacken. Und was zeigt das? Ohne den Lebensmitteleinzelhandel geht es nicht!
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