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Hermann Steffen

über Festschaligkeit

Zwingend

Mit der Empfehlung, ab 2008 nur festschalige Kartoffeln an den Markt zu bringen, hat der Deutsche Kartoffelhandlesverband in der vergangenen Woche deutlich gemacht, dass er etwas für die Qualität und gegen den rückläufigen Frischkartoffelverzehr unternehmen will. Der Vorstoß zielt in erster Linie auf die Frühkartoffeln. Es passt nicht ins Bild, wenn teure festschalige Frühkartoffeln aus aller Herren Länder hierhin gekarrt werden. Gleichzeitig aber hierzulande die ersten Kartoffeln aus dem Boden gerissen werden, kaum dass sich eine Schale gebildet hat. Kein Wunder, wenn die hiesigen Frühen in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels oft nach ein paar warmen Tagen Auflösungserscheinungen zeigen, anfangen zu stinken und der Verbraucher schnell die Nase voll davon hat. In diesem Jahr scheint es besonders schlimm zu sein.

Doch der lobenswerte Beschluss, will erst einmal umgesetzt werden – auch in der landwirtschaftlichen Praxis. Gezielte Reifeförderung lässt sich nicht 100-prozentig planen. Denn bei nasser Witterung oder zu hoher Bodenfeuchtigkeit kann die Abtötung des Kartoffelkrauts der Qualität sogar noch schaden. Hinzu kommt, dass in den drei Wochen Wartezeit nach der Maßnahme die unbehandelten Felder noch Ertragszuwachs haben oder die Kartoffelpreise in den Sog einer massiven Schwindsucht geraten könnten. Wird die Qualitäts- und Reifepflege ernst gemeint, werden Handel und Packbetriebe den Landwirten sicherlich einen Ausgleich zahlen müssen, denn der Markt ist keine Einbahnstraße. Grundlage für die vier bis sechs Vermarktungswochen im Frühsommer könnten gestaffelte Wochenpreise sein, die sich aus einem durchschnittlichen Kartoffelertrag ableiten. Der Mehrwert der schalenfesten Ware lässt sich leicht an den Preisen für lose Ware im Rheinland ausmachen, für die derzeit ein deutliches Aufgeld gegenüber losschaligen Knollen gezahlt wird.

Die wichtigen Anbauregionen haben sich einstimmig zur Festschaligkeit bekannt, denn für abgepackte Ware muss die Strategie zwingend sein. Sicherlich muss für die Reifeförderung noch Überzeugungsarbeit geleistet werden: Vermutlich sehr viel bei den Pfälzer Landwirten, deren erste losschalige Partien in der Regel von den hohen Preisen der ausländischen Frühware profitieren. Doch nur wenn Packbetriebe, Handel und Erzeugergemeinschaften an einem Strang ziehen, wird sich etwas erreichen lassen. Dann ließen sich auch Anbauverschiebungen zwischen den einzelnen Regionen vermeiden und selbst eine Verspätung der hiesigen Frühkartoffelsaison um ein bis zwei Wochen ließe sich verkraften. Auf Dauer sollten sich dadurch jedenfalls mehr Vorteile und bessere Preise für die Landwirtschaft ergeben, als mit losschaliger Ware. Doch auch die frischen und dünnhäutigen Knollen werden ihren Liebhabern erhalten bleiben, zumal sie bei der Direktvermarktung, auf den Wochenmärkten oder als gesackte Ware zweifelsohne auch weiterhin ihre Berechtigung haben.
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