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Brigitte Stein

zu Ökokartoffeln

Risiken

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Berlin, sieht eine widersprüchliche Situation am deutschen Bio-Markt: „Wir haben Höhenflüge beim Marktwachstum und gleichzeitig einen historischen Tiefstand bei den Zuwächsen ökologisch bewirtschafteter Fläche.“ Für die Vermarktung von Öko-Kartoffeln ist die Fläche aber nicht der einzige Einflussfaktor.

Bereits im vorigen Jahr waren Öko-Knollen knapp, sind Kartoffeln doch noch immer ein Einstiegsartikel in den Öko-Markt – für Verbraucher wie für den Lebensmittelhandel. Zusätzliche Mengen wurden gesucht. Zuletzt mussten insbesondere die Discounter bereits im Frühjahr akzeptieren, dass sie keine heimischen Öko-Knollen mehr bekommen konnten.

Intensive Bemühungen um Öko-Bauern ließen im Laufe dieses Sommers die Hoffnungen keimen, dass für die kommende Saison mehr Öko-Kartoffeln zur Verfügung stehen und der wachsenden Nachfrage nahe kommen. Immerhin war die Anbaufläche für Öko-Kartoffeln um schätzungsweise 15 Prozent ausgedehnt worden. Doch hat das Wetter im Zusammenspiel mit den Öko-Richtlinien der Marktplanung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das feuchte Wetter begünstigte die Ausbreitung von Phytophthora insbesondere in den nördlichen Anbaugebieten in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Dänemark und den Niederlanden. Dem konnten die Öko-Bauern außer ein wenig Kupfer nichts entgegensetzen. Die Bestände starben vorzeitig ab und nun liegen viele kleine Knöllchen im Boden, die eigentlich nur noch aus phytosanitären Gründen eingesammelt werden.

Die weiter gewachsene Nachfrage lässt sich so nicht bedienen, wenngleich es im Süden besser um die Öko-Kartoffeln bestellt ist. So kommen die ersten Öko-Knollen für den Discount aus Österreich. Sie haben den Markteinstieg mit einem Preis oberhalb des Vorjahresniveaus gefunden und lassen dadurch auf gute Preise auch für den Rest der Öko-Kartoffelsaison hoffen.

Doch bergen solche Preise auch Gefahren: Denn hohe Preise ziehen nun einmal Ware an. Das kann für Öko-Kartoffeln und deren Vermarkter besonders gefährlich werden. Bereits in der jüngsten Vergangenheit wurden Betrügereien mit Öko-Produkten aufgedeckt. Darum betont der BÖLW aktuell, dass seine Mitglieder eigene Qualitätssicherungsmaßnahmen ergreifen, um solche für das Ansehen schädlichen Geschäfte zu vereiteln. Jedem ehrgeizigen Öko-Kartoffel-Vermarkter sei in dieser Saison empfohlen, die Finger von zweifelhafter Ware zu lassen, auch wenn die Nachfrage und die Spanne noch so verlockend sind. In der Konsequenz kann dies dann heißen, besser gar keine Öko-Knollen im Regal zu haben, als den Ruf zu riskieren.
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