1

Brigitte Stein

zur Lebensmittelkennzeichnung

Saubere Visionen

Während Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer sich noch Gedanken über die Kennzeichnung von Nährwertangaben von Nahrungsmitteln macht, sind die Briten da schon einen Schritt weiter. Die Regierung im Vereinigten Königreich zielt darauf ab, den CO2-Verbrauch des gesamten Landes auf jeder Ebene in den Griff zu bekommen. Da genügt es natürlich nicht mehr, zu wissen, welche Wirkungen das Gegessene auf den eigenen Körper hat. Vielmehr muss für dieses hehre Ziel jedes Produkt im Laden künftig auch auf seinen spezifischen Beitrag zu den Treibhausgasen hinweisen. Zur neutralen Kalkulation hat die britische Regierung ein eigenes Unternehmen gegründet, die Carbon Trust.

Carbon Trust steckt zwar noch in den Anfängen seiner Tätigkeit, doch wurden immerhin bereits Chips der Firma Walkers auf ihren CO2-Fingerabdruck hin geprüft. Es wurden in monatelanger akribischer Arbeit jeweils CO2-Ausstoß bei der landwirtschaftlichen Erzeugung, Verarbeitung, Verpackung, Transportlogistik sowie Entsorgung ermittelt und auf die Packungseinheit heruntergebrochen. Eine 33,5 g-Packung Chips gibt demnach insgesamt 75 g CO2 ab, lautet das Ergebnis. Allerdings fehlen, wie das bei ersten Ergebnissen nun mal so ist, Vergleichswerte von anderen Produkten. Doch das wird kommen, verspricht Carbon Trust-Geschäftsführer Euan Murray. Neun weitere Unternehmen, darunter Coca-Cola und Cadbury, haben angekündigt, ihre Erzeugnisse im kommenden Jahr analysieren zu lassen.

Gebäckhersteller Walkers hat sich gerne als einer der Pioniere zur Verfügung gestellt, weil Umfragen gezeigt haben, dass 80 Prozent der Verbraucher sich für diese Information interessieren. Murray weiß sogar, dass zwei Drittel der Verbraucher angekündigt haben, den CO2-Fingerabdruck in ihre Kaufentscheidung einzubeziehen. Walkers leitet aus der Analyse auch bereits Einsparmöglichkeiten bei Wasser und Energie ab.

Ärgerlich nur, dass die landwirtschaftliche Erzeugung inklusive Pflanzenschutz- und Düngemittelherstellung in die CO2-Bilanz eingeht. Dabei schlägt sie deutlich zu Buche und trägt an der Chipstüte einen Anteil von 33 g des CO2 bei. Die CO2-Aufnahme innerhalb der Landwirtschaft wird allerdings nicht gegengerechnet. Dennoch bietet das Verfahren Perspektive – für die Speisefrischkartoffel. Sollte dereinst in naher oder ferner Zukunft die CO2-Bilanz auf die sättigende Portion heruntergebrochen werden, stehen Speisefrischkartoffeln aus verbrauchsnaher Umgebung mit Sicherheit gut da. Fehlt nur, dass die Verbraucher sich auch wirklich für diese Information interessieren und sich künftig CO2-bewusst ernähren.

stats