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Kein Thema?

Von Brigitte Stein, Frankfurt a.M.

"Die Kartoffel ist keine Skandalnudel!" Dieser Satz begleitet die jüngsten Kartoffelbörsen, und diese Tatsache an sich ist auch nicht schlecht. Aber genügt es in den heutigen Zeiten, keine Skandalnudel zu sein? Wohl nicht. "Tue Gutes und rede darüber", ist das Motto, nach dem vielerorts gehandelt wird. Damit wäre der Kartoffel also noch viel mehr zu wünschen als der Mangel an Skandalen: Sie müsste im Gespräch sein. Denn nur wer von sich Reden macht, gerät nicht in Vergessenheit.

Genau das ist aber wohl geschehen, als die Lebensmittelzeitung in der vergangenen Woche die Ernährungswirtschaft in Rheinland-Pfalz in den Fokus rückte: Das Bundesland präsentierte sich als kartoffelfreie Zone. Dem Alkohol in Rheinland-Pfalz mangelte es dagegen weder an Raum noch Vielfalt. Nicht nur mehrere Wein- und Sektkellereien, auch eine Brauerei und ein Spirituosenhersteller werden porträtiert. Daneben hat die Beilage auch Säfte und Mineralwasser sowie Gebäck zu bieten. Von Pfälzer Grumbeere keine Spur! Offensive Kartoffelkommunikation tut Not, damit die Kartoffel aus dem Schattendasein als Beilage herauskommt. In der selben Ausgabe der Lebensmittelzeitung findet sich übrigens auch eine Anzeige für französischen Landwein, der sich durch schmucke Aufdrucke auf der Flasche passend zum Menu empfiehlt: Zu Rindfleisch, zu Fisch, zu Geflügel und zu Nudeln. "Wieso Wein zu Kartoffeln?" fragt die freundliche Dame des Weinhandels am Telefon ziemlich verständnislos.

Die Berliner Tageszeitung ist da ganz anderer Ansicht. Ein ganzseitiger Beitrag widmete sich kürzlich den Bratkartoffeln, die "zu den großartigsten Errungenschaften deutscher Küche" gehören, meinten die Macher des kulinarischen Feuilletons. Zwei Profis wurden hierfür befragt über ihre bevorzugte Sorte für Bratkartoffeln und ihr Rezept. Dazu ein kurzweiliger Auszug aus dem Kulinarischen Almanach 2000/2001 des Klett-Cotta-Verlages über persönliche Erinnerungen, die beim Kartoffelbraten wach werden. Der Autor, Wolfgang Schömel, empfiehlt dazu einen Silvaner oder einen Chardonnay, falls kein Ketchup an die Bratkartoffeln kommt. Zu Bratkartoffeln mit Ketchup schlägt er eher deutschen Rotwein vor.

Damit sind zwei Beweise erbracht. Erstens: Es gibt Wein, den man zu Kartoffeln empfehlen kann. Zweitens: Es ist möglich, Kartoffeln zum Thema zu machen, auch wenn sie keine Skandalnudeln sind.
 
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