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Weniger?

Von Hermann Steffen, Bonn

Der Anbau von runden Speisesorten wird im Rheinland, nach den Pflanzgutumsätzen zu schließen, einen kräftigen Einbruch erfahren. Schätzungen gehen von einem Minus von 50 bis 60 Prozent aus. Hierfür dürften in erster Linie die Qualitätsprobleme und die niedrigen Preise aus der vergangenen Saison verantwortlich sein. Auch für festkochende Sorten zeichnet sich nach den Pflanzgutverkäufen ein Minus von 10 bis 15 Prozent ab. Der gesamte Speisekartoffelanbau, der mühsam aufgebaut wurde, wird nach den ersten Einschätzungen im Rheinland wieder an Boden verlieren. Damit werden zwangsläufig auch die Vorverträge, die bisher nur einen kleinem Umfang beim Absatz ausgemacht haben, erheblich zurückgehen. Die Speisekartoffelvermarktung aus der Region wird sich vermutlich künftig stärker im Direktverkauf oder an den Großmärkten abspielen.

Auch bei Industriekartoffeln sind die Aussichten vorläufig nicht rosig, denn die Verarbeitungsindustrie hält sich bisher mit Kontraktangeboten für die neue Kampagne nach den Preisrückgängen in dieser Saison zurück. Die Industrie scheint verstärkt auf Käufe zu Tagespreisen zu setzen. Allein bei Frühware ging das Kontraktvolumen um 5 bis 10 Prozent zurück. Im Sortenspektrum deutet sich eine Anbauausdehnung von Agria an, wobei noch nicht ganz klar ist, wieweit die günstigeren Preise für Bintje-Pflanzgut das Anbauspektrum verändern könnten.

Bei den niedrigeren Preisen im Vertragsanbau für Industrieware hält sich aber auch die Landwirtschaft im Engagement zurück. Und für Speisekartoffeln mangelt es auch an Vertragsangeboten von Seiten der Abpacker. Somit scheint das doppelgleisige Konzept von Speise- und Industrieware für das Rheinland nicht ganz aufgegangen zu sein. Dabei hätte das Rheinland in der Region Rhein/Ruhr eindeutige Frachtvorteile, vor allem in der Speisekartoffelvermarktung zu bieten. Doch die Anforderungen an die Qualitäten bei den Abpackern werden immer höher. Wenn dann die Qualitäten rheinischer Ware oft nicht stimmen, ist es nicht verwunderlich, dass diese bei den Abpackern ausgelistet wird. Dabei entsprechen diese schlechten Erfahrungen sicherlich nicht dem langjährigen Durchschnitt. Besonders in dieser Saison war die Ware zu warm in die Scheunen gekommen und weist dadurch große Qualitätsprobleme auf. Die Landwirte, die über entsprechende Technik verfügen, sollten den Kartoffelanbau nicht aufgeben. Denn im Rheinland kann sich die Beratung für den Kartoffelanbau seitens des Handels, der Landwirtschaftskammer und der Erzeugergemeinschaft sowie den Züchtern sehen lassen.
 
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