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Versuch

Von Cäcilie Daus-Speicher, Wiesbaden

Die Pfalz hatte einmal mehr Großes vor. Doch vorerst wird nichts daraus, wenngleich man die Hoffnung auf ein Zustandekommen des Vorhabens noch nicht aufgegeben hat. Der Notar-Termin zum Zusammenschluss von sieben Pfälzer Kartoffelvermarktern in einer KG ist allerdings am Montag ungenutzt verstrichen. Noch geht man davon aus, in den kommenden vier bis sechs Wochen die immer noch strittigen Punkte und vor allem die technischen Probleme der Abwicklung, Buchhaltung, Bürgschaft und Kontrolle klären und überwinden zu können.

Über Monate hatte man miteinander um ein einigermaßen ausgewogenes Verhältnis innerhalb dieses Zusammenschlusses gerungen, der ein Jahr lang sozusagen als Versuchsballon getestet werden sollte. Gegenstand dieser Vermarktungsgesellschaft sollte der gemeinsame Einkauf der Pfälzer Früh- und Speisekartoffeln bei der Erzeugergemeinschaft zu festgelegten Notierungspreisen sein, die für ein bis zwei Tage Gültigkeit haben sollten. Ziel des Konzeptes, das man gemeinsam mit der Erzeugergemeinschaft entwickelt hat, ist, den Markt zu strukturieren, Doppel- und Dreifachandienungen der Erzeuger auszuschließen und dem aggressiven Marktgebaren der Vermarkter Einhalt zu gebieten. Herzstück des Ganzen ist ein Quotenschlüssel, der von einem Marktanteil der einzelnen Vermarkter ausgeht, der dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre entspricht. Neben den technischen Problemen, die wohl in den vergangenen Wochen erst in ihrer Tragweite erfasst wurden, sind die Quoten offensichtlich der Knackpunkt, der einige in letzter Minute zurückschrecken lässt.

Problematisch wird das Ganze doch auch dadurch, dass sich zwei Pfälzer Vermarkter von vornherein nicht einbinden lassen wollten. Während sich der eine wohl eindeutig in seinem Expansionswillen eingeschränkt sieht, könnte man mit etwas mehr Verhandlungszeit möglicherweise den anderen Vermarkter noch zum Mitmachen überzeugen, wenn er denn nicht auch insgeheim auf Ausdehnung der Marktanteile schielt. Unverständlich bleibt schließlich auch die Zusammenarbeit des größten Pfälzer Vermarkters mit einem süddeutschen Wettbewerber, für die es sicherlich auch Interessenten innerhalb der Pfälzer Vermarkter gegeben hätte, eben jenen Kollegen, mit denen man sich in der KG zusammentun wollte.

Unabhängig von dem Zustandekommen der Vermarktungs KG bliebe den Erzeugern und ihrer Gemeinschaft auch für die bevorstehende Saison noch die Möglichkeit Ruhe in den Markt zu bringen: über die Verpflichtung zur Vollablieferung an verschiedene Vermarkter - eine Forderung verschiedener Marktbeobachter und Marktbeteiligter seit mittlerweile 25 Jahren. Obwohl die Landwirte dieses Mittel und damit den Schlüssel zur erfolgreichen Vermarktung in den eigenen Händen halten, machten sie bisher davon keinen Gebrauch. Eine sinnvolle und marktorientierte Selbstorganisation und vor allem die Bündelung des Angebotes auf der Erzeugerebene sollte vorrangiges Ziel der Erzeugergemeinschaft sein, wenn man neue Wege beschreiten will. Das bedeutet zuallererst, dass nicht jeder machen kann, was er will, sondern dass das eigene Tun dem Ziel untergeordnet wird, mit allen Konsequenzen, die damit verbunden sind.
 
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