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Beizen

Von Sylvia v. Hahn, Mundelsheim

Das Thema Beizmittel steht seit etwa fünf Jahren in Baden-Württemberg im Mittelpunkt der Kartoffelanbauberatung. Noch immer besteht aber Handlungsbedarf. Steter Tropfen höhlt auch hier den Stein, und so haben zumindest die größeren Kartoffel erzeugenden Betriebe in eine entsprechende Technik investiert und sind inzwischen regelmäßige Beizmittelanwender. Je mehr bei den Erfassern innere und äußere Qualitätsaspekte der Kartoffel in den Vordergrund rücken, um so wichtiger werden Beizungen. Nur wer qualitativ gute Ware anbieten kann, wird auf Dauer auch eine echte Chance haben, konkurrenzfähig zu bleiben. Das gilt für Erfasser und Landwirte gleichermaßen. Wer sich dem Kartoffelanbau professionell widmet, darf sich dem Thema Beizen auf keinen Fall verschließen. Besonders in engen Kartoffelfruchtfolgen ist Beizen angeraten. Schließlich zählt die Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani) zu den schädlichsten Pilz-Kartoffelkrankheiten. In extremen Situationen kann dieser Pilz sogar zu einem Totalverlust führen. Wird das Pflanzgut gebeizt, können die Knollen vor einem Befall geschützt werden. In jedem Fall verursacht diese Krankheit nicht nur Mindererträge, sondern beeinflusst auch die Qualität. Missgeformte, verkrüppelte oder rauschalige Knollen sind dann die Folge. Es können durch den Pilzbefall aber auch Kartoffeln mit rundlichen, scharf abgegrenzten bräunlichen Flecken auftreten, die Ähnlichkeit mit Fraßschäden aufweisen. In einer Versuchsanstellung des Saatbaumes Donaueschingen mit Frühkartoffeln unter Folien ließ sich der Ertrag im Durchschnitt um sechs Prozent steigern, wenn die Knollen kurz vor dem Auspflanzen gebeizt worden waren. Am häufigsten werden Beizmittel bei Frühkartoffeln unter Folie und im Freiland eingesetzt. Im Heilbronner Unterland geht man davon aus, dass auf etwa 60 bis 80 Prozent der dort professionell bewirtschafteten Frühkartoffelanbaufläche Beizmittel angewendet werden. Doch nicht jeder Frühkartoffelanbauer kann sich mit dem Gedanken anfreunden, seine Knollen zu beizen, und hofft auf schnelles Auflaufen bei seinen Knollen, da der Pilz besonders bei nassen Bedingungen vom Boden her den Keim und die Wurzeln infiziert. Doch gerade im Frühjahr ist eine Schlechtwetterperiode nicht ungewöhnlich, und es kann zu einem Wachstumsstillstand führen. Das ist dann ideale Bedingungen für die Wurzeltöterkrankheit. Im Südwesten werden zwar den Landwirten in Sachen Beizen von den Erfassungshändlern noch keine Vorschriften gemacht - der Einsatz liegt im Ermessen der Bauern. Doch von Seiten der Beratung spricht man sich im Südwesten deutlich für Beizmittel aus, zumal es in anderen Bundesländern in diesem Bereich feste Vorschriften von der Erfasserseite gibt. Das Beizen sollte sich zumindest in den Betrieben rasch durchsetzen, die die Kartoffelproduktion in größerem Umfang betreiben. Denn nur qualitativ beste Ware sichert dauerhafte Erfolge am Markt.
 
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