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Kühlläger

Von Jan Peters, Hamburg

In Norddeutschland überraschen derzeit die regen Aktivitäten bei der Vermarktung von Speisekartoffeln aus der vorjährigen Ernte. Während in den vergangenen Jahren zum jetzigen Zeitpunkt der Markt für alterntige Speisekartoffeln so gut wie geräumt war, werden in diesem Jahr Speisekartoffeln aus den Kühllägern an den norddeutschen Märkten immer noch in relativ großen Mengen angeboten. Vor allem die gefragten, hellschaligen Qualitäten werden zügig vom Markt aufgenommen. Voraussetzung ist jedoch eine gleichmäßig gute Qualität, die in den vergangenen Tagen sogar mit leichten Aufgeldern honoriert wurde. So mancher fragt sich, wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist und weshalb die bereits über acht Monate lagernden Speisekartoffeln eine solch gute Qualität aufweisen.

In den vergangenen Jahren überließen die deutschen Erzeuger in den Monaten von April bis Juni oftmals den südeuropäischen Kollegen den Markt für Speisefrühkartoffeln. Die Witterungsbedingungen dort erlauben frühzeitige Erntetermine. Diese Lieferungen sind den deutschen Landwirten natürlich ein Dorn im Auge, da eine zusätzliche Konkurrenz an den Märkten auftritt.

Zum Sommeranfang werden die Umsätze mehr durch die Qualität als durch den Preis bestimmt - und hier sind die alterntigen Knollen in diesem Jahr im Vorteil. Denn Schwankungen der Qualität und Sortenreinheit einiger gelieferter Partien aus dem Mittelmeerraum verärgerte in den vergangenen Jahren immer wieder die Kunden. Sicher würden sie stärker auf frische Ware zurückgreifen, wenn sie sich auf die einwandfreie Qualität verlassen könnten. In den vergangenen Tagen bemängelte der Handel einige Ankünfte aus dem Mittelmeerraum in Hamburg, die bei hohen Preisen eine nur geringe Schmackhaftigkeit auswiesen.

Von März bis Juni können die deutschen Bauern genau jene Mengen weniger absetzen, die aus den südlicheren EU-Regionen an die hiesigen Verbraucher verkauft werden. Um eine längere Lieferfähigkeit mit eigener Ware sicher zu stellen, haben sich daher immer mehr Kartoffelerzeuger zur Investition in Kühlläger entschieden. Das Bemühen geht dahin, möglichst die traditionellen Warenströme von Kartoffeln aus den südlichen Ländern durch eigene Lieferungen alterntiger Ware in guter Qualität zu unterbinden. Besonders in Norddeutschland gelingt es einigen Erzeugern mit höherwertigen Sorten, eine gute Qualität bis in den Sommer hinein zu liefern.

Zwar werden auch in Zukunft immer Frühkartoffeln aus den Mittelmeerländern in den Regalen der Discounter und auf den Wochenmärkten für den verwöhnten und frischebewussten Verbraucher bereit liegen, dennoch wird der Anteil an alterntiger Qualitätsware, die bis zum Anschluss an die hiesige Frühkartoffelernte zur Verfügung steht, in den kommenden Jahren durchaus zunehmen.
 
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