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Vollbracht

Von Dietrich Baumann, Erfurt

Die Reden sind geredet, der Vertrag wurde unterschrieben und mit einem eiskalten Kartoffelschnaps aus einer ausgehöhlten Knolle zünftig begossen. Im sächsischen Weidensdorf, direkt an der Autobahn 4, die Sachsen und Thüringen durchquert, besiegelten zwei Kartoffelverbände ihre zukünftige Zusammenarbeit.

Es war eine bundesdeutsche Premiere, die freilich an Gewicht verliert, sieht man die "Kartoffelmacht", die dahinter steht. Aber gerade die geringe Macht, sprich Anbaufläche und Erntemenge, zwingt zum Handeln. Allein ist der Schwache noch schwächer. Fehlt es in dieser Situation an nachbarlichem Wohlwollen, geht die Knolle schnell den Bach runter. Dann werden die Bauern und die in der Kette nachfolgenden Vermarkter noch mehr zum Spielball der Großen im Handel. Der Kooperationsvertrag zwischen dem Sächsischen Qualitätskartoffelverband und dem Erzeugnisverband Thüringer Qualitätskartoffeln schoss nicht wie ein Pilz aus der Erde. Gut Ding brauchte Weile. Das Für und Wider war abzuwägen, der gemeinsame Wille der Partner einzuschätzen, und das Prozedere war festzulegen. Im Vorjahr begannen die ersten Gespräche. Eingangs verhalten und dann immer deutlicher.

Auch die katastrophale Preissituation spornte dazu an, neue gemeinsame Wege zu begehen. Es galt, die Kräfte zu bündeln, die zehn Jahre nach der Wende noch übrig geblieben waren. Wohlwollende Begleitung erhielten die Verbände in Vorbereitung des Vertrages durch ihre Landesregierungen. Die hatten auch namhafte Vertreter nach Weidensdorf entsendet. Von verstandenen Zeichen der Zeit sprachen ihre Statements und von wichtigen gemeinsamen Marketingstrategien. Die Schwerpunkte des Kooperationsvertrages gehen in diese Richtung. Man wird sich gegenseitig in die Qualitätsprogramme schauen und das Bessere übernehmen, Preisempfehlungen auf der Basis des Kartellgesetzes geben, die Marktlage zum beiderseitigen Nutzen einschätzen, und man wird zukünftig nach außen mit einer Stimme sprechen. Im harten Wettbewerb um den Markt rechnen sich die sächsische und die thüringische Kartoffelwirtschaft durch ihre Kooperation bessere Chancen aus. Freilich ist beiden Seiten vorgegeben, jeweils eigenen Egoismus zu überwinden und den unlauteren Wettbewerb untereinander draußen vor zu lassen. Auch das wird Kraft kosten. Einigen muss allein das Ziel - die Kooperation zum Nutzen aller Beteiligten.
 
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