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Wetterwechsel

Von Cäcilie Daus-Speicher, Wiesbaden

Der Zwiebelmarkt ist in wenigen Tagen leergefegt. Und damit wird der Markt in den kommenden 14 Tagen auch leben müssen. Weder mit inländischen noch mit ausländischen Herkünften lassen sich die vorübergehenden Verknappungserscheinungen beheben. Zwar dämpft die Haupturlaubszeit die Nachfrage, aber dennoch entsteht eine Angebotslücke, die das Preisgefüge am Zwiebelmarkt wieder deutlich über die Marke von 40,- DM/dt bringen und der Sommerware den Markteinstieg erleichtern wird.

Noch im Mai standen die Weichen nicht so günstig, zumal das Preisniveau für Überseeware völlig herunter gekommen war. Es sah nach einer sehr frühen Sommerzwiebelernte aus, die mit den Winterzwiebeln kollidieren könnte, die wiederum ihrerseits mit den Restpartien an Überseeware und mit italienischen Lieferungen um Platzierungsmöglichkeiten kämpfen müssten. Doch davon ist weit und breit schon längst nichts mehr zu sehen. Auch die holländischen Wintersteckzwiebeln können nicht zur Schließung der Versorgungslücke heran gezogen werden. Sie sind als Folge der nassen Witterung und daraus resultierender Qualitätsmängel zu einem großen Teil auf dem Acker geblieben. Der brauchbare Rest der insgesamt 250 bis 260 ha umfassenden Erzeugung fand Verwertung im Schälbereich.

Bleiben noch die frühen Sorten an Sommersteckzwiebeln aus deutschem und holländischem Anbau mit etwa 70 bis 80 ha Fläche hierzulande und 200 bis 300 ha bei unseren Nachbarn. Doch das Regenwetter verhindert bisher die Rodearbeiten, dieser in der Erntezeit sehr Nässe empfindlichen Frucht. Die Knollen sind bis an den Rand ihrer Kapazität mit Wasser voll gesaugt, und äußerst druckempfindlich und damit verletzungsgefährdet. Felder und Früchte benötigen also vor Rodebeginn eine Trocknungsphase, bevor man es wagen kann, die Zwiebeln für vier bis fünf Tage zum eigentlichen Abtrocknen auf Schwad zu legen. Rechnet man weitere zwei bis drei Tage Trocknungs- und Aufbereitungszeit auf dem Hof hinzu, wird deutlich, dass auch diese Ware frühestens in zehn Tagen für den Markt zur Verfügung stehen kann, sofern das Wetter mitspielt. Das Gleiche gilt natürlich auch für Sommer-Säzwiebeln. Sie haben ihren Entwicklungsvorsprung von zwei bis drei Wochen längst wieder eingebüßt. Selbst die frühen Sorten brauchen noch einige Tage der Reife, so dass sich der Markteinstieg auf Anfang August verschiebt.

Dann bestehen zunächst allerdings gute Absatzmöglichkeiten auf einem ausgehungerten Markt. Mit Fortschreiten der Ernte dürfte Mitte August der Angebotsdruck größer werden, was die Einkäufer der Lebensmittelketten weidlich auskosten werden. Von Erzeugern und Vermarktern wird einmal mehr Standfestigkeit gefordert, vor allem in den Regionen, die über begrenzte Lagermöglichkeiten verfügen. Doch vor dem Hintergrund einer insgesamt durchschnittlichen Ernte in Deutschland sollte es gelingen, Ruhe am Markt zu bewahren.
 
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