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Frischer

Von Sylvia v. Hahn, Mundelsheim

Wer in diesen Tagen in einer Niederlassung der einen oder anderen Einzelhandelskette einkaufen geht, traut seinen Augen bei einigen Angeboten nicht: Ein Liter Milch für 89 Pfennig, ein Paket Butter für 1,39 Mark oder eine Dose Bier für 39 Pfennig. Egal ob die Ketten Aldi, Lidl, Plus oder Wal-Mart heißen - der Wettbewerb wird vornehmlich über den Preis von Lockangeboten ausgetragen. Mal sind es Schnäppchen-Angebote, die für einige Tage gelten, ein anderes Mal werden "Dauertiefstpreise" auf den Preisschildern angezeigt. Die niedrigen Preise erfreuen viele Hausfrauen, allerdings nur so lange, wie der Tante-Emma-Laden nebenan nicht aufgibt, bei dem man bisher den kleinen täglichen Bedarf erstand.

Da wir in einem Land leben, in dem der Preis zumindest bei Lebensmitteln das wichtigste Kaufargument ist, sind Schnäppchenpreise in der Tat ein erfolgreiches Werbeargument. Doch zeigen Beispiele in unseren Nachbarländern, dass Qualität und Service dabei nicht auf der Strecke bleiben müssen. Etwa in Frankreich, der Schweiz und den Benuluxstaaten führen nicht nur kleine Läden frische Ware, die Filialen der Handelsketten haben nahezu überall Frischetheken aufgebaut, auf denen appetitlich landwirtschaftliche Produkte aller Art die Kunden anlachen. Sie reichen vom knackigen Salatkopf über appetitlich ausgelegte Früchte hin bis zu vorgefertigten Produkten, wie etwa geschälten rohen Kartoffeln im Glas oder im Folienbeutel. In unserem Land bestehen dagegen die Gemüseauslagen oft aus Ansammlungen welker Blätter oder angegammelter Knollen. Doch so langsam beginnen Kunden auch hierzulande, die Frische der Angebote wichtiger zu nehmen als noch vor wenigen Jahren. Wo Handelsketten auf diesen Trend nicht angemessen reagieren, tun sich Chancen für kleine Geschäfte, Marktstände und Hofläden auf.

Keine Chance dagegen wird das Ansinnen mancher Handelsketten an den Staat haben, die Verkaufsflächen zu begrenzen, um so die Renditen, die unter dem augenblicklichen Preiskampf leiden, zu stabilisieren. Erfolg versprechender für die großen Unternehmen der Branche dürfte auf mittelfristige Sicht eher sein, die Qualität der Angebote und auch des Services zu verbessern. Dies gilt umso mehr, als die Verbraucher beginnen, die Übersicht über die verschiedenen Schnäppchenpreise zu verlieren oder es leid sind, wegen ein paar Pfennigen verschiedene Niederlassungen der Handelsketten anzusteuern. Die Qualität der ausgelegten Produkte im Frischebereich wie auch der den Kunden entgegengebrachte Service prägen sich sicherlich langsam, aber dafür zunehmend nachhaltig, in das Bewusstsein der Käufer ein und dürften auf mittelfristige Sicht ein entscheidendes Kriterium sein, das über den Erfolg oder Misserfolg der Verkaufsniederlassungen und Läden entscheidet.
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