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Gut gelaufen

Von Hermann Steffen, Bonn

Die Frühkartoffelsaison ist im Rheinland in diesem Jahr besser verlaufen als zunächst erwartet. Die Flächen sind weit geräumt. Einen regelrechten Preisbruch zu Kampagnebeginn, wie so oft in den Vorjahren erlebt, hat es diesmal nicht gegeben. Wenn die Preise im Zuge der Saison sukzessive zurückgenommen worden sind, entspricht dies eher einem normalen Verlauf. Ob der Preisrückgang in diesem Jahr unbedingt erforderlich gewesen ist, sei dahin gestellt. Aus Niedersachsen wurden die Notierungen für Speisefrühkartoffeln stetig unter Druck gesetzt. Und das, obwohl das Angebot durch die witterungsbedingten Rodeerschwernisse nicht nur im Rheinland, sondern auch in anderen Frühkartoffelgebieten zwischenzeitlich sogar regelrecht knapp ausfiel.

Dennoch hat bisher der verregnete Sommer zum Großteil zur Stabilisierung der Preise vor allem bei Industriekartoffeln beigetragen. Die Altbestände der Verarbeitungsindustrie brachten gegen Ende der Kampagne nicht mehr die erforderlichen Qualitäten. Die Nachfrage der Industrie nach kontraktgebundener und freier Ware setzte zwar nicht ganz so früh ein wie im Vorjahr, aber doch eine Woche früher als üblich. Dass auf den leichten Böden gerodet werden konnte, während auf den schweren Standorten "Land unter" gemeldet wurde, erwies sich dabei für die Entzerrung des Angebotes als vorteilhaft. Hinzu kommt, dass die Frühkartoffelflächen im Rheinland um rund acht Prozent reduziert wurden, und gute Absatzmöglichkeiten in den Export nach Skandinavien und Großbritannien genutzt werden konnten.

Im Gegensatz zu anderen Jahren blieb zudem der Druck aus Belgien aus. Dass jetzt die Exporte vom Rheinland Richtung britische Insel abgeschlossen sind, tangiert den bisher insgesamt guten Saisoneindruck nur noch wenig. Obwohl die Vorvertragspreise 1,- bis 2,- DM per 100 kg im Schnitt unter dem Vorjahr liegen, besteht bei den meisten Landwirten durch die überdurchschnittlichen Erträge wenig Grund zur Klage, zumal die Einschränkung des Frühkartoffelanbaus ausschließlich das Speisesegment betraf. Obwohl sich mit der Zweinutzungssorte Premiere auch der Speisemarkt bedienen lässt, ist der Trend zu einem stärkeren Industrieanbau unverkennbar. Dies ist nachvollziehbar, denn für den Speisesektor gibt es bis auf wenige Ausnahmen keine Kontrakte. Zudem werden die zunehmenden Anforderungen der Abpacker und des Lebensmittelhandels an die Qualität der Knollen nicht entsprechend honoriert. Dieses Risiko scheint man anderen Regionen überlassen zu wollen.

Dieser Wandel lässt sich bei den Anschlusssorten noch deutlicher erkennen, zumal diese um 18 Prozent ausgedehnt wurden bei gleichzeitigem Rückgang der Fläche für den Speisemarkt. Hierfür werden die niedrigen Pflanzgutpreise für Bintje nicht allein ausschlaggebend gewesen sein, denn für die mittelfrühe Industriesorte Felsina oder die späte Agria lagen sie fast doppelt so hoch. Obwohl die Kontraktpreise analog zur Frühware ebenfalls im Schnitt um 1,- bis 2,- DM per 100 kg gesenkt wurden, sind die Aussichten für die Anschlusskampagne nicht schlecht, denn bei gutem Knollenansatz lässt sich eine gute Ernte mit entsprechenden Übergrößenanteilen absehen. So gesehen, war es in diesem Jahr sicherlich kein Fehler, den Kartoffelanbau im Rheinland um insgesamt 3 Prozent auszudehnen. Man kann den Landwirten nur wünschen, dass ihnen für den Rest der Kampagne der Wettergott zur Seite steht, und es ihnen nicht so geht wie ihren gebeutelten Kollegen im Getreidebau.
 
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