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Preisbildung

Von Cäcilie Daus-Speicher, Wiesbaden

Während in diesen Tagen hierzulande die Speisekartoffeln für den Verzehr im kommenden Winter und Frühjahr noch geerntet und eingelagert werden, rüsten sich in Spanien die Erzeuger schon für die neue Ernte, die in kleinen Mengen ab Januar und verstärkt ab April hierzulande vermarktet werden soll (siehe Spezial zur Kartoffel-Herbstbörse Seite 3). Diese Ware lassen zunehmend Unternehmen aus Holland, Frankreich, England und Deutschland im vertraglich geregelten Anbau in Südspanien erzeugen. Allein für den deutschen Markt geschieht dies auf einer Fläche von etwa 3 000 ha.

Im Vorfeld der Vertragsabschlüsse im Laufe der Monate September/Oktober kristallisieren sich die Vertragspreise für die kommende Saison heraus. Vertragsanbieter mit eigenen Sorten wählen dabei das Festpreissystem, um einerseits sicher zu gehen, über genügend Fläche verfügen zu können und andererseits, um den Rückfluss zu gewährleisten. Die Erfahrungen der vergangenen Saison, die aktuelle Marktlage sowie die Einschätzung der Vermarktungschancen im Folgejahr fließen in diese neu zu findenden Vertragspreise ein. Daher gibt es keine großen Unterschiede zwischen den einzelnen Vertragsanbietern. Zufriedenheit auf beiden Seiten ist unerlässlich, weil es ansonsten zu Abwanderungen der Fläche zu anderen Anbietern oder anderen Kulturen wie Baumwolle, Sonnenblumen und Zuckerrüben kommen würde oder aber zu Unzufriedenheit auf Seiten der Vertragsanbieter und damit zu unrentablen Geschäften, die dem Ganzen ebenfalls nicht dienen würden.

Üblich ist heute ein Festpreissystem mit einer gewissen Variationsbreite je nach Sorte und tatsächlicher Marktsituation im Frühjahr. Es gibt also ein gewisses festes Korsett, eine Art Orientierungspreis für die Sorte Nicola, der in allen Regionen mehr oder weniger gleich ist. Die Fixierung des Preises, der je nach tatsächlicher Marktlage leichte Nachbesserungen nach unten oder oben erlaubt, erfolgt nach einem Staffelsystem je nach Erntetermin. Dabei geht man in Spanien dekadenweise - nicht wie bei uns wochenweise - vor. Die Preise der frühen Liefertermine liegen höher und enthalten einen gewissen Aufschlag für den entgangenen Ertragszuwachs durch die zeitige Ernte, während späte Rodungen entsprechend niedriger honoriert werden. Daneben existiert allerdings auch ein Mindestpreissystem, mit fest zugesicherten Mindestpreisen und möglichen Aufgeldern bei günstigen Marktverhältnissen während der Vermarktungszeit. Doch von dieser Form der Vertragspreisgestaltung, die früher häufiger praktiziert wurde, nimmt man heute Abstand. Im Grunde findet sie fast nur noch dann Anwendung, wenn ein Vertragsanbieter mit einer ganz bestimmten Sorte neu in den spanischen Frühkartoffelanbau einsteigen will. Das erhöhte Risiko der Erzeuger durch Unsicherheiten im Handling der Sorte, ihren Eigenarten, Stärken und Schwächen soll durch die Zusicherung des Mindestpreises ausgeglichen oder zumindest abgeschwächt werden.

Dieser gezielte Anbau von Frühkartoffeln für den deutschen Markt erfordert eine möglichst frühzeitige Vermarktung. Der Wettlauf mit der Zeit beginnt gewöhnlich Mitte bis Ende April. Mitte Juni, wenn verstärkt deutsche Frühkartoffeln den Markt erobern, muss die spanische Vertragsware platziert sein, um nicht mit den heimischen Produkten zu kollidieren. Je später der Liefertermin, desto größer ist also das Preisrisiko und das tragen bei diesem Geschäft vor allem die Vertragsanbieter. Cäcilie Daus-Speicher, Wiesbaden
 
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