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Königlich

Von Hermann Steffen, Bonn

Als vor drei Jahren der Wahlspruch "Rheinland-Kartoffelland" geschaffen wurde, ließ es sich schon erahnen: Im Rheinland gibt es massive Autonomiebestrebungen. Doch was wäre eine Land ohne ein repräsentatives Oberhaupt, wie es in Niedersachsen und Bayern schon lange gekrönt wurde. Also hoben die Rheinländer in diesem Jahr mit einer Landjugendfrau flugs ihre erste Kartoffelkönigin auf den Thron. Auch der Name der Königin war schnell gefunden, wurde er ihr doch schon in die Wiege gelegt. Dabei hätten sich aus dem großen Sortenspektrum an Kartoffeln auch eine Vielzahl von Namen angeboten, mit denen sich eine Hoheit schmücken könnte.

So könnte eine Königin Flora alles Blühende und Wachsende oder eine Planta das Wohlgedeihen aller Pflanzungen verkörpern. Dagegen dürfte eine Sorte Belladonna trotz ihres Wohlklanges kaum für eine Namensgebung herhalten, steht dieser doch als Synonym für die Frucht der Tollkirsche. Einen sehr werbewirksamen Beitrag wäre die Wahl einer Milva oder Paola, sind sie doch für die Unterhaltungsbranche geradezu prädestiniert. Eine Quinta oder Quarta dagegen könnte nach draußen nicht nur bildungspolitische Schwerpunkte der Regierung des Kartoffellandes herausstellen, sondern auch der Zeitgeist ließe sich vortrefflich mit entsprechendem Namen ausdrücken. Eine Futura versinnbildlichte die zukunftsweisenden, vielfältigen und von Wissenschaftlern gerühmten globalen Einsatzmöglichkeiten der Knollen. Dagegen ließe sich mit einer Freya in Anlehnung an die altgermanische Fruchtbarkeitsgöttin das Wohl der Landwirtschaft oder ein eher konservativer Trend symbolisieren. Eine Reihe bereits geadelter Knollen wie die Lady Claire, Christl, Felicia und Lady Rosetta oder eine Baronesse wären sicherlich geeignet, auf Grund ihrer Herkunft den großen Stellenwert der Kartoffeln zu verdeutlichen. Sehr hohe Herrschaftsansprüche ließen sich allerdings von einer Viktoria oder Elisabeth ableiten, doch sollten diese großen Namen schon für etwas Erhabeners stehen wie zum Beispiel für eine deutsche oder sogar europäische Kartoffelkönigin.

Strenge Auswahlkriterien müssten für die potentielle Königin angewendet werden, sollte ihr Name Helena lauten, die noch heute von ihrem Ruhm als schönste Frau der Antike zehrt. Überhaupt, ein gewisses äußerliches Anforderungsprofil sollte sie schon erfüllen, die Königin. Dass sie frei sein muss von äußerlichen Unansehnlichkeiten wie Schorf oder Keime ist selbstverständlich. Über die Augenfarbe grün, blau oder braun ließe sich streiten, nur allzu tief dürfen sie nicht liegen und keine Hinweise auf innere Mängel zulassen. Eine glatte Oberfläche und Schalenfestigkeit ist ein absolutes Muss, denn eine zu weiche Schale böte zu viele Angriffsmöglichkeiten und die Regierungstätigkeit würde darunter leiden. Die Körperbeschaffenheit ist dabei nicht entscheidend, doch eine schlanke lange Helle ließe sich wohl eher mit dem Norden und eine grobfallendere dunkle runde Königin eher mit dem Süden in Verbindung bringen. Doch wäre es auch vorstellbar, dass sich ein Vertreter des männlichen Geschlechtes um die Krone bewerben könnte. Die Schwierigkeiten würden jedoch schon bei der Namensfindung beginnen, denn hierfür bietet das Sortenspektrum reichlich wenig. Ein König Asterix dürfte sich zwar auf einen hohen Bekanntheitsgrad stützen, doch würde er im Rheinland auf Ablehnung des gemeinen Volkes stoßen, denn seine Heimat liegt bekanntlich in Belgien und von dort aus werden die rheinischen Frühkartoffelanbauer fast in jeder Saison mit Preisdruck überzogen. Ein Fontane als König ließe sich allenfalls in der Mark Brandenburg vorstellen und ein Frieslander wohl nur in der Region, wonach er benannt wurde. Da gibt ein Erntestolz der Erste schon mehr her, lässt er doch eine Kraft erahnen, welche die im Preiskampf zerstrittenen Herzogtümer und Königreiche einen könnte, um mit ihnen gemeinsam gegen den Ketten-bewährten Handel zu Felde zu ziehen. Ideal wäre es natürlich, wenn König und Königin gemeinsam repräsentierten, denn dann könnte ein Rembrand mit einer Monalisa oder ein Donald mit einer Donella leicht einprägsame Verbindungen eingehen und die Thronfolge mit einer Amora sicherstellen. Ein Dreigestirn mit Solara, Luna und Astra wäre auch eine Überlegung wert, assoziieren sie doch mit Sonne, Mond und Sterne die Wachstumseinflüsse, die außerhalb unseres Einflussbereiches und Planeten liegen.
 
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