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Bindung

Von Sylvia v. Hahn, Mundelsheim

Die Kartoffelernte in Baden-Württemberg ist weitgehend beendet. Sobald die Weinlese abgeschlossen ist, haben viele Landwirte im "Ländle" wieder etwas Zeit, um sich in Gedanken schon einmal mit der kommenden Erntesaison zu beschäftigen. Dazu gehört auch das Aushandeln etwaiger Anbauverträge. Im Südwesten ist der Konsum-Kartoffel-Anbau fast ausschließlich über Anbauverträge geregelt - mit Ausnahme der Mengen, die direkt vermarktet werden. Dabei handelt es sich in Baden-Württemberg allerdings überwiegend um flächenbezogene Anbauverträge, preisgebundene Verträge sind eher selten. Auf diesem Sektor hinkt der Südwesten Deutschlands im Vergleich zu den Regionen hinterher, in denen der Kartoffelanbau professionell im großen Stil betrieben wird.

Nur etwa fünf Prozent der Kartoffelanbaufläche sind im Südwesten preislich gebunden. Dort, wo Industriekartoffeln angepflanzt werden, liegt der preisgebundene Vertragsanteil deutlich höher. Ansonsten ist die Bereitschaft des Erfassungshandels, den Landwirten Festpreis-Konditionen anzubieten, sehr unterschiedlich ausgeprägt, wobei eine ablehnende Haltung überwiegt. Diese ergibt sich aus der fehlenden Bereitschaft des Lebensmitteleinzelhandels, langfristig zu disponieren und mit seinen Lieferanten Abschlüsse über einen längeren Zeitraum auszuhandeln. Immerhin in einer Anbauregion des Südwestens wurden vor drei Jahren interessierten Landwirten erstmals Preisverträge mit einer Laufzeit von fünf Jahren angeboten. Nach Ablauf dieser Zeit will man sich zusammensetzen, um die Vertragspreise mit den jeweiligen Tagespreisen zu vergleichen und dann weiter zu entscheiden.

Positiver wird bereits der Bewirtschaftungsvertrag gesehen, der seit zwei Jahren in einer Anbauregion Baden-Württembergs angeboten wird, und seither auf zunehmendes Interesse stößt. Dort stellt der Bauer dem Erfassungshändler seinen Acker zur Verfügung und bearbeitet das Feld nach ganz exakten Vorgaben. Je nach Maschinenausstattung pflanzt der Landwirt die Kartoffeln selber oder der Erfasser übernimmt dies. Pflanzgut sowie Dünge- und Pflanzenschutzmittel stellt die aufnehmende Hand. Die Ernte erfolgt in Eigenregie des Erfassungshändlers. Der Landwirt erhält für seine Dienstleistungen, seinen Schlag und den Maschineneinsatz einen festen Lohn. Für den Händler ist dieses Bewirtschaftungssystem eine gute Chance, zu kalkulierbaren Preisen ordentliche Ware zu bekommen. Dem Landwirt bietet sich damit die Möglichkeit, neu in den Kartoffelanbau einzusteigen oder auf sonst notwendige Ersatzinvestitionen wie den Kauf eines neuen Vollernters zu verzichten. Je niedriger die Pachtpreise liegen, umso besser rechnet sich dieses System für den Landwirt.

Zwar stehen professionelle Anbauer im "Ländle" dem eher skeptisch gegenüber, weil sie eine zu starke Ausdehnung der Kartoffelanbaufläche im Südwesten befürchten. Da aber Baden-Württemberg auf dem Knollensektor jährlich einen Zukaufbedarf hat, bietet sich den heimischen Landwirten bei einer Ausweitung der Produktion die Chance, die regionalen Erfasser mit im "Ländle" erzeugten Kartoffeln zu versorgen. Für die klein strukturierte Landwirtschaft könnte sich der Vertragsanbau als eine feste Einkommensquelle erweisen.
 
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