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Judo

Von Klaus Knippertz, Frankfurt a.M.

Kartoffeln und Nudeln zusammen auf einem Teller? Diese kulinarische Merkwürdigkeit favorisieren, wenn überhaupt, nur schrullige Junggesellen oder zweifelhafte Existenzen. "Entweder - Oder", so lautete bisher die Devise am Mittagstisch.Das heißt jedoch nicht, dass die "Nudel-Haushalte" Kartoffeln grundsätzlich ablehnen. Oder dass in "Kartoffel-Haushalten" Nudeln nicht salonfähig sind. Darauf deutet auch der bisherige Erfolg der "Kartoffelnudeln" hin, eine Innovation des Marktführers bei Nudeln, der Birkel Teigwaren GmbH aus Waiblingen. Das Produkt besteht zu 20 Prozent aus Kartoffeln. Eine Hartweizenmühle stellt die entsprechende Mischung her und liefert sie an zur Weiterverarbeitung. Rohstoffspezifikationen und ein entsprechendes Audit gewährleisten Qualität.

Der Lebensmitteleinzelhandel habe die Idee als echte Innovation erkannt und bei der Produktvorstellung uneingeschränktes Interesse gezeigt, so der zuständige Produkt-Manager bei Birkel. Entsprechend schnell hätten Handelszentralen die Kartoffelnudeln ab August dieses Jahres gelistet. Weitere Zentralen werden in den kommenden Wochen über die Aufnahme in ihr Sortiment entscheiden. Im Vergleich zu konventionellen Eiernudeln ist das Premium-Produkt etwas teurer und spricht ausdrücklich "Feinschmecker" - so steht es auf der Verpackung - an. Den Geschmacksimpuls liefert die Kartoffel. Dennoch sieht das Unternehmen alle Verbraucher als Zielgruppe, die Teigwaren oder auch Kartoffeln konsumieren. Dass hier eine gute Idee von einem gelungenen Marketing unterstützt wird, zeigt die Akzeptanz der Konsumenten. Nach den bisherigen Verkaufszahlen zu urteilen, rechnet Birkel mit einem Absatzvolumen von rund 500 t pro Jahr. Auf Grund dieses Erfolges plant das Unternehmen bereits, weitere Feinschmeckerprodukte anzubieten, die ebenfalls die Rohstoffe Kartoffeln und Hartweizen kombinieren. Birkel sieht in diesem Fall die Kartoffel nicht als Konkurrenzprodukt, das das eigene Sortiment gefährden könnte, sondern als Bereicherung.

Dieses Zusammenspiel der bisherigen Konkurrenzprodukte ist vergleichbar mit dem japanischen Kampfsport Judo. Beim Judo geht es darum, die Kraft des Gegners auf sanfte Weise geschickt für sich zu nutzen. Im Kampf um Marktanteile ist mit den Kartoffelnudeln eine Erfolg versprechende Strategie nicht nur für den Nudelhersteller, sondern auch für die Kartoffelwirtschaft entwickelt worden. Im Falle der Kartoffelnudeln profitiert die Kartoffel Dank ihres Geschmacks vom Aussehen der Nudel und nutzt sie "für sich".

Aber es gibt auch noch andere Konkurrenten, die der Kartoffel den Rang auf dem Mittagstisch streitig machen. Ein gut trainierter Judoka wird auch vor asiatischen Gegnern nicht zurückschrecken, oder? Ein geschickter Schulterwurf im rechten Moment... Vielleicht rieselt dann auch irgendwann mal der Reis zusammen mit der Kartoffel auf den Teller.
 
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