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Noch besser
Von Brigitte Stein, Frankfurt am Main

Wer vor kurzem in Großbritannien war und aufmerksam die Kartoffelverkaufsstände im dortigen Lebensmitteleinzelhandel besichtigt hat, dem kommen beim Anblick der Kartoffelpräsentationen in deutschen Supermärkten die Tränen. Bei kaum einem Treffen deutscher Kartoffelhändler werden sie nicht lobend erwähnt, die Briten. Appetitlich dargeboten wird die große Vielfalt : nach Größe sortiert, nach Verwendungszweck geordnet, knackig und mitunter gar jede Knolle einzeln mit einem kleinen abziehbaren Sticker gekennzeichnet, wie man das hierzulande von neuseeländischen Äpfeln kennt. Nicht zu verachten ist bekanntlich auch das Angebot an vorbereiteten Kartoffelmahlzeiten für die Mikrowelle.

Doch die Briten sehen das scheinbar anders: Denn auch Gutes kann noch besser werden. Die britische Kartoffelorganisation (BPC) hat nun Verbraucher aufgefordert, ihren Supermärkten Verbesserungswünsche zur Kartoffeltheke vorzutragen. Dabei sollen die Verbraucher jeweils einen speziellen Laden unter ihre Fittiche nehmen: "Adopt a store" heißt die Kampagne. Dabei hat sich bereits abgezeichnet, dass die britischen Verbraucher besonderes Interesse daran haben, britische Kartoffeln zu erkennen und kaufen zu können. Der weitere Verlauf der Aktion wird möglicherweise weitere Verbraucherbedürfnisse ans Licht bringen. Erzeuger, Händler und ihre Familien sowie die Mitglieder des Landfrauenverbandes werden gezielt angesprochen, anhand eines vorgegebenen Prüfschemas regelmäßig "ihren" Supermarkt zu kontrollieren.

Doch hat die Adoptionskampagne des BPC noch andere Dimensionen, als allein die Präsentation im Supermarkt zu verbessern und britische Kartoffeln ins Rampenlicht zu stellen. Darüber hinaus schult sie die Aufmerksamkeit der Verbraucher für die Kartoffeltheke. Denn wer Vorschläge machen will, muss sich zuvor mit dem Gegebenen auseinander setzen und genau hinsehen - und entdeckt dabei vielleicht auch noch Kartoffelangebote, die ihm sonst entgangen wären. Die müssen dann natürlich erst mal gekauft und getestet werden. Des Weiteren fördert die Aktion den Wettbewerb der verschiedenen Supermärkte untereinander, denn der geschulte Blick des Verbrauchers vergleicht selbstverständlich. Zudem können die Kartoffelabteilungen zum Gesprächsthema avancieren.

Aus Sicht eines deutschen Verbrauchers scheinen noch schönere Regale jenseits des Kanals kaum vorstellbar. Denn in deutschen Supermärkten sind seit Jahren keine besseren Bedingungen für die Kartoffel erreicht worden. Ein Interesse an Gesprächen zwischen den Handelsstufen beruhte nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit. Fast scheint man es in Deutschland schon als Schicksal hinnehmen zu wollen, dass die Verbraucher sich im Einzelhandel lustlos von den Kartoffel-Wühltischen abwenden und lieber weiterschweifen zu den ordentlich und attraktiv aufgestapelten Fertigprodukten.Anspruchsvolle Kartoffelesser haben sich ohnehin andere Bezugsquellen gesucht.


 
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