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Wende
Von Jan Peters, Hamburg

Selbst durch die umfangreichen herbstlichen Bevorratungsaktionen des Einzelhandels lässt sich keine Umkehr der sehr niedrigen Erzeugerpreise für Speisekartoffeln erkennen.

Mangels Alternativen haben viele Landwirte in den drei Küstenländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen den Anbau von Speisekartoffeln in den vergangenen zwei Jahren forciert. Da sich der Anbau von den einst eher leichten und sandigen Böden immer mehr zu den guten und nährstoffreichen Lehm- und Kleiböden in den küstennahen Gesundheitslagen verschiebt, hat sich nicht nur die Qualität in den vergangenen Jahren verbessert, sondern auch die Erträge pro Hektar steigen stetig an. So werden auf den jungen Marschböden an der Westküste Schleswig-Holsteins nicht selten bis zu 360,- dt/ha verkaufsfertige Ware der bevorzugten Sorten Linda und Cilena geerntet, die jetzt zu äußerst niedrigen Preise einen aufnahmefähigen Markt finden müssen.

Es gibt jedoch auch einen Hoffnungsschimmer: Teilweise hört man, dass die Verkaufsaktionen des Einzelhandels besser als erwartet verlaufen, da die niedrigen Preise einen Anreiz zur Bevorratung bieten. Nach diesem zeitlich befristeten Nachfrageschub jedoch wird es zu einer schwächeren Bedarfsphase kommen, da viele Verbraucher vorerst gut versorgt sind. Bis zum Jahresende wird dann wieder mit einem kontinuierlichen Einkauf von Speisekartoffeln zu rechnen sein. Ob sich die Preise bis dahin von dem sehr niedrigen Niveau erholen können, muss zum jetzigen Zeitpunkt eher bezweifelt werden. Es ist zu erwarten, dass sich im laufenden Jahr bei der Erzeugung von Speisekartoffeln die Spreu vom Weizen trennen wird. Nur die Erzeuger mit einem starken Vermarktungspartner oder einer eigenen Vermarktungsschiene werden ausreichende Erlöse erzielen können. Alle anderen Landwirte werden bei den hohen Vorkosten beim Anbau von Speisekartoffeln von bis zu 7 000,- DM/ha den Anbau wegen eingefahrener Verluste wieder einschränken müssen. Das laufende Wirtschaftsjahr 2000/2001 kann damit richtungweisend sein, in welchen Gebieten in Deutschland nicht nur wegen des ertragreichen Anbaus sondern auch wegen einer professionellen Vermarktung der Anbau von Speisekartoffeln erhalten bleibt.

Die jüngste Preisentwicklung ist auch vor dem Hintergrund einer hohen Ernteschätzung zu sehen. Will man die derzeitige Angebots- und Nachfragesituation als Maßstab für den weiteren Preisverlauf heranziehen, so lassen sich durchaus Parallelen zum Vorjahr ziehen. Auch im Vorjahr befanden sich die Notierungen Anfang November auf einem ähnlich niedrigen Niveau. In diesem Zusammenhang müssen die hohen Ernten in den Nachbarländern gesehen werden, die auch im Vorjahr stark preisbremsend auf die hiesigen Märkte wirkten. Auch wenn der Verzehr von Importkartoffeln wie der holländischen Bintje geschmackbedingte Grenzen hat: Die Preisaussichten sind eher als düster zu bezeichnen.


 
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