1

Neu wecken
Von Cäcilie Daus-Speicher, Wiesbaden

Aufruhr in Deutschland. BSE, Genmanipulation, Dioxin- und Hormonskandale - die Hiobs-Botschaften wollen kein Ende nehmen. Was bisher bloß furchtbarer Verdacht war, wird mit jedem neuen Vorfall mehr und mehr zur Gewissheit: Die Gefahren für unsere Gesundheit durch ein Produktionssystem, das auf Kostensenkung und Wachstum um jeden Preis ausgerichtet ist, sind mittlerweile fast nicht mehr abzuschätzen. Und dieses System fordert seinen Preis, den derzeit nur die betroffenen Berufssparten wie Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Futtermittelindustrie tatsächlich zahlen müssen. Doch indirekt zahlen alle Verbraucher - mit tiefer Verunsicherung, diffusen Ängsten um die eigene Gesundheit und nicht zuletzt mit der bangen Frage im Hinterkopf, welch hohe Hypothek wir letztendlich unseren Kindern aufbürden?

Doch was hat dies alles mit Kartoffeln zu tun, diesem grundsoliden und gesunden Nahrungsmittel? Auch die Kartoffel ist Teil dieses Produktionssystems, das den Wert von gesunden Nahrungs- und Lebensmitteln zu sehr vernachlässigt. Kartoffeln sind massenweise und zu Spottpreisen jederzeit und überall zu haben. Sie verschwinden in den untersten Regalen der Lebensmittelketten: Lieblos, namenlos, wertlos. Auch dann, wenn sie sorgfältig erzeugt, aufbereitet und verpackt worden sind. Allenfalls in den Herbstwochen erinnert man sich mehr unbewusst und vage der romantischen Kartoffelfeuer und der Bauern, die die schweren Kartoffelsäcke in den Keller schleppten als Grundstock für die winterlichen Vorräte. Daran anknüpfend legen sich denn auch die meisten Haushalte noch einen 10- oder 25 kg-Sack Aktionskartoffeln zu Spott- oder gar Dumping-Preisen in Keller oder Garage und haken im Grunde dieses Thema für den Rest des Jahres ab. Wer weiß denn überhaupt, welcher Herkunft und Kocheigenschaft seine Salz- oder Bratkartoffeln auf dem Teller sind und um welche Sorte es sich handelt? Da kennt man sich schon besser bei Papiertaschentüchern und Toilettenpapier aus und kann fast auf Anhieb die unterschiedlichen Qualitäten erkennen.

Welchen Wert hingegen messen wir den Lebensmitteln und damit einer gesunden Nahrung bei? Interessiert es überhaupt einen Käufer eines 2,5 kg-Beutels Kartoffeln für 99 Pfennige, welchen Weg dieses Produkt hinter sich hat und wie der Preis zu Stande kommt? Eindeutig nicht. Das Zeug kostet nichts, also kann es auch nichts Wert sein!

Krisen, wie die von den BSE-Fällen ausgelöste, verunsichern die Verbraucher, machen sie nachdenklich, hinterfragen das Gewohnte und verändern den Blickwinkel. Das ist das Gute am Schlechten. Es bietet die Chance, den Wert einer gesunden Nahrung klarer zu erkennen und nach den neuen Erkenntnissen auch zu handeln. An diesem Punkt anzusetzen offensiv, glaubwürdig, seriös, informativ und mit geballter Kraft, ist jetzt gemeinsame Aufgabe der Land-, Agrar- und Ernährungswirtschaft einschließlich der Lebensmittelbranche.


 
Was denken Sie?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Kommentar ins Gästebuch

Diesen Kommentar hätten Sie übrigens schon am Mittwoch lesen können...
Agrarzeitung ERNÄHRUNGSDIENST - unabhängig - kritisch - aktuell

Nutzen Sie jetzt die Gelegenheit, die Agrarzeitung ERNÄHRUNGSDIENST kennenzulernen:
Vier Wochen kostenloses Probelesen!


Natürlich können Sie uns auch über den üblichen Weg erreichen:

per Fax: 069-7595-1260
per Brief: Deutscher Fachverlag GmbH
60264 Frankfurt am Main
per Email: AgroOnline@dfv.de

stats