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Geht nicht?
Von Brigitte Stein, Frankfurt am Main

Ein mitreißender Vortrag mit einleuchtender Argumentation! Die Teilnehmer des Kartoffelhandelstages auf Burg Warberg waren vom Marketingexperten Victor Phaff und seinen Thesen angetan. Attraktive Kartoffelqualitäten zu auskömmlichen Preisen zu vermarkten, schien gar nicht zu schwierig, weil es beispielsweise in Großbritannien durchaus funktioniert.

Doch die anschließende Diskussion brachte an den Tag, woran es fehlt: Am Vertrauen auf ein gemeinsames Ziel. "Geht nicht." Mit diesem schlichten Argument wurden alle Ansatzpunkte für Verbesserungen abgeschmettert, sowohl ein runder Tisch mit dem Lebensmitteleinzelhandel als auch ein einheitliches Werbekonzept oder auch ein konzertiertes Beharren auf auskömmlichen Preisen. Nur selten wurde der böse Feind Lebensmitteleinzelhandel als der Schuldige bemüht. Denn eigentlich war wohl allen klar, dass es an ihnen und ihren Konkurrenten hängt, wenn kaum etwas geht außer der Preisspirale abwärts. "Geht nicht gibt's nicht", dieser zum geflügelten Wort gewordene Werbeslogan einer Baumarktkette, kam selbst dem Moderator der Podiumsdiskussion nicht in den Sinn angesichts der lähmenden Resignation im Saale.

Gespräche mit dem Lebensmitteleinzelhandel sind derzeit jenseits des Vorstellbaren, das wurde selbst den beiden Optimisten auf dem Podium klar. Doch ein gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten in der Kartoffel-Handels-Kette, das ließen sie sich nicht ausreden, wäre ein erster Schritt. Darauf gab es endlich, endlich eine positive Reaktion: Konzeptionelle Überlegungen für einen gemeinsamen Verband, die Unika, seien im Gange, gab Uta Meiners, Bundesvereinigung der Deutschen Kartoffelwirtschaft, bekannt. Joachim Tietjen, Verband der Kartoffelkaufleute Niedersachsen, äußerte seine Bereitschaft, die aktive Zusammenarbeit der Spitzenverbände zu unterstützen.

"Nur zu" wäre wohl die spontane, euphorische Reaktion eines Unbedarften gewesen. Doch schon wurden wieder bedenkenvoll die Häupter gewiegt - und nach kurzem Innehalten fragt sich dann auch der Unbedarfte: "Bundesvereinigung der Deutschen Kartoffelwirtschaft - also gibt es einen solchen Verband der Spitzenverbände bereits. Wozu bedarf es dann der Unika?" Tatsächlich war keinerlei Euphorie in Bezug die Unika zu verspüren, obwohl mit einem gemeinsamen Verband ein erstes Startsignal für die Umsetzung eines gemeinsamen Konzeptes gegeben worden sein könnte. Unausgesprochen lag das "Geht nicht" in der Luft. Denn es fehlt das Vertrauen auf ein wirklich gemeinsames Ziel. Gerade die Unterschiedlichkeit der Ziele scheint aus den ersten Entwürfen auch deutlich hervorzugehen. Wenn aber noch nicht einmal ein gemeinsamer Verband gelingt, wie soll dann ein gemeinsames Vorgehen im Markt gelingen? Von neuem Denken und neuem Handeln, dem Motto des Kartoffelhandelstages auf Warberg, scheint die Branche noch weit entfernt. Diese Erkenntnis wurde im Kontrast zu den Visionen des Victor Phaff erst richtig sichtbar.


 
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