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Paradies

Von Klaus Knippertz, Frankfurt a. M.

Was erwartet den Internet-Surfer im neu angelegten Pieper-Paradijs? Vögel-Bildchen oder ähnliches werden jedenfalls nicht geboten. Wer jedoch kulinarischen Genüssen fröhnt, ist bei www.nivaa.nl/pieperparadijs an der richtigen Adresse. "Pieper" übersetzt das niederländisch-deutsche Wörterbuch mit "Kartoffel". In der virtuellen Küche darf der "Paradies-Apfel-Gourmet" seelenruhig in Schubladen, Kisten und Kochbüchern stöbern und entdecken. Dort warten rund hundert Hinweise, wie er sich den Himmel auf die Erde holen kann. Zumindest für die Dauer eines Menüs. "Gebaut" wurde die Küche von der Nivaa, der niederländischen Absatzförderungsorganisation für Kartoffeln und Zwiebeln in Den Haag.

Die vielen Kartoffelrezepte sind geordnet nach unterschiedlichen Kategorien. Ob zum Frühstück, als Vor- oder Hauptspeise, ob zum Büffet oder zum Picknick, die Kartoffel-Köche von Nivaa wissen Rat. Auch nach der bevorzugten Zubereitungsart lässt sich suchen. Wer bis heute noch dachte, geschmort wird nur in der Hölle, wird eines Besseren belehrt. Himmlische Kartoffel-Genüsse verspricht auch das Grillen, Frittieren oder Kochen der Knollen. Ist bereits ein bestimmter Kochtyp im Keller vorrätig, so sind passende Rezepte unter "festkochend" bis "mehligkochend" zu finden. Sollen vorhandene Zutaten aus der eigenen Küche das Kartoffelgericht verfeinern, so hilft die Suchfunktion weiter. Dort können bis zu drei Zutaten eingegeben werden, die in einem Rezept enthalten sein sollen. Kleiner ökonomischer Nebeneffekt für den Verbraucher: Im eigenen Kühlschrank wird nichts schlecht aus Mangel an Verwendungsmöglichkeiten. Das kann kein Teufelswerk sein !

Selbst Anfängern dürfte es - Gottes Segen vorausgesetzt - mit Hilfe der einfachen und kurzen Beschreibungen gelingen, die Rezepte nachzukochen. Einen Anreiz zum Erfolg bieten zumindest die Appetit anregenden Bilder, die die Rezeptseiten zieren. Wer nicht auf die deutsche Version des Pieper-Paradijs warten möchte, kann zudem seinen niederländischen Wortschatz bereichern.

Die grafische Darstellung der Seite beschränkt sich auf wenige Elemente und wirkt damit nicht überfrachtet. Trotzdem erschöpft sich das Gesamtbild nicht in einer funktionalen Nüchternheit, sondern macht den Nutzer neugierig auf den Inhalt der abgebildeten Kisten und Bücher. Die Navigation ist einfach und schnell. Damit hat die Nivaa die Voraussetzung geschaffen, Kartoffel-Verbraucher auch im Internet direkt und vielleicht sogar wirkungsvoll anzusprechen. So könnte am Ende einer Weltreise mit dem Computer die Kartoffelküche stehen. Denn Weltreisen machen hungrig.

Ähnlich locker und dennoch sinnvoll gestaltete Websites sind im Internet selten zu finden. Auch nicht selbst kochenden Mitgliedern der Kartoffelbranche ist der Besuch der Seite zu empfehlen. Vielleicht gibt sie ein paar Anregungen zur Gestaltung des eigenen Internet-Auftrittes her. Dem Kartoffel-Paradies stünde dann noch nicht einmal ein Wörterbuch im Wege.
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