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Carpe Diem
Von Gisela Haas, Berlin,

Die erste Woche des Frühkartoffelhandels ist allgemein sehr ruhig verlaufen. Sowohl seitens des Angebots - überwiegend beschränkt auf die Lieferländer Syrien und Israel - als auch seitens der deutschen Nachfrage besteht kein Druck und keine Hektik. Die Marktbeteiligten verhalten sich daher noch zögerlich. Die Exporteure haben wegen der bisher nahezu fehlenden Konkurrenz aus dem verregneten Zypern und Marokko keinen Grund, von ihren recht stolzen Forderungen abzuweichen, zumal sie in England und Frankreich aufnahmebereite Märkte finden. Am Großmarkt Berlin werden daher für die Knollen vom Mittelmeer gegenüber dem Vorjahr zumindest unveränderte, teilweise auch um bis zu vier DM je 25 kg-Sack höhere Abgabepreise als vor einem Jahr notiert. Für die deutsche und niederländische Ware liegen die Erlöse dagegen zwischen einer und drei DM niedriger. Umfangreichere Kontrakte für Frühkartoffeln wurden bisher nicht abgeschlossen, zumal noch große Mengen alterntiger Ware in unterschiedlicher, teilweise durchaus guter Qualität zur Verfügung stehen.

Angesichts der ruinösen Marktlage für die Erzeugerbetriebe fällt Freude am Markt zwar nicht leicht, der ruhige Beginn des Frühkartoffelauftaktes ist jedoch durchaus ein Grund dazu. Der Lebensmitteleinzelhandel hat erst vereinzelt Frühkartoffeln gelistet. Die darüber hinaus an die Verbraucher abgesetzten Mengen bleiben gering. Abpackunternehmen zehren von ihren ersten Bezügen länger als erwartet. Diese Situation gilt es zu nutzen und zügig den Markt mit guten hiesigen Partien zu beliefern. Spekulatives Festhalten wäre die falsche Strategie. In wenigen Wochen kann sich die Lage schon völlig verändert haben. Gespräche zwischen den Importeuren und den Lieferanten aus dem Mittelmeerraum werden geführt und Proben geliefert. Zudem haben die hiesigen relativ hohen Temperaturen im Herbst und bisherigen Winter häufig zu einer relativ fortgeschrittenen Reife der alterntigen Knollen geführt, so dass deren Qualitäten sich frühzeitig verschlechtern können. Carpe diem - Nutze den Tag - meinten schon die alten Römer. Daran hat sich bis heute nichts geändert.


 
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