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Teure Gefahr

Von Dietrich Baumann, Erfurt

Käme sie in die Bild-Zeitung, könnte es ein Problem geben. Aber diese Gefahr besteht wohl nicht für die Bakterienringfäule. Immerhin zählt sie aber zu den Quarantänekrankheiten und ist meldepflichtig. Wo sie auftritt, bringt sie den Bauern nicht unbedingt an den Bettelstab, aber arg in die Bredouille. Seine materiellen und ideellen Verluste können sehr hoch sein. Bekannt ist schließlich, dass die Beanstandungen deutscher Kartoffeln wegen Befalls mit Bakterienringfäule im vergangenen Jahr zunahmen, speziell bei Lieferungen ins europäische Ausland.

Der Erreger passt sich mehr und mehr an, er macht sich breit, er bildet "Familien". Er lässt sich nicht ausrotten, wissen die Experten, aber in den Griff ließe er sich schon kriegen. Dazu gibt es Berge von Papier mit Hinweisen aller Art. Wer sie beherzigt, nähert sich zwar der sicheren Seite, aber ganz hin kommt er trotzdem nicht. Es fehlt auch nicht an Direktiven für den Fall, dass Clavibacter michiganensis ssp. sepedonicus zuschlägt. Dafür sorgen deutsche und europäische Gründlichkeit. Viel wichtiger ist aber eine Antwort auf die Frage: Wer zahlt die Zeche? Denn, so wurde jüngst auf einer Tagung im sächsischen Weidensdorf vorgerechnet, beim Ausfall von einem Hektar Vermehrungsfläche gehen rund 16 000 DM in die Binsen. Bei Speise- oder Wirtschaftskartoffeln sei es die Hälfte. Man vermute einen jährlichen Schaden durch Bakterienringfäule in Deutschland von 6,5 Mio. DM, es könne aber auch das Doppelte sein. Was tun, um des Schadens Herr zu werden, ohne zu verzweifeln?

Uta Meiners vom Deutschen Bauernverband blickte in dieser Sache zurück und voraus. Bayern hatte vor wenigen Jahren einen Solidaritätsfonds aufgelegt, eine Versicherung auf Gegenseitigkeit. Die schwache Resonanz bei den Bauern ließ das Kind sterben, bevor es richtig auf der Welt war. Seit kurzer Zeit kann sich der Landwirt nun auch privat versichern (siehe dazu ED 68/2000), muss dazu natürlich eine lange Litanei beachten und hat kaum Grund, Halleluja zu singen. Sollten sich nicht auch andere Wege finden lassen? Vielleicht eine gesetzliche Verpflichtung zur privaten Versicherung ¦a la Kfz-Haftpflicht? Da müsste freilich ein Gesetz her und die staatliche Aufsicht. Naja. Oder wäre der holländische Weg namens Potato Pool gut? Der kommt freilich auch nicht ohne Vorgaben und Kontrollen aus, scheint aber gut begehbar zu sein. Immerhin beschirmt er 90 Prozent der Pflanzkartoffeln, über 50 Prozent der Industriekartoffeln und 45 Prozent der Speisekartoffeln des Nachbarlandes. Der Schadenssumme von 6,2 Mio. DM standen 1998/99 beispielsweise 7,1 Mio. DM an Beiträgen gegenüber. Es rechnete sich also.

Eine weitere Möglichkeit wäre, nach dem Muster der Tierseuchenkasse eine Art Topf einzurichten, in den alle Kartoffelanbauer einzuzahlen hätten. Denn klar scheint schon jetzt, dass Freiwilligkeit allein nicht der Weg sein wird. Aber, sagten die Bauern, sollen uns die lächerlichen Erzeugerpreise durch zusätzliche Kosten noch weiter lädiert werden? Sollte nicht auch Vater Staat in die Pflicht genommen werden? Eine berechtigte Frage. Aber Vater Staat stehen ja vor lauter BSE die Kosten schon jetzt bis zum Hals. Wer denkt denn da noch an Knollen? So hilf Dir selbst, Bauer! Die Vorschläge liegen auf dem Tisch.
 
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