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Gelernt?

Von Cäcilie-Daus Speicher, Wiesbaden

Die Weichen sind gestellt - vorerst zumindest. Die Aufwärtsentwicklung der alterntigen Zwiebelpreise im Laufe des Januars ließ schon vermuten, dass der Start in die neue Zwiebelsaison eher von Dur- denn von Moll-Klängen begleitet sein wird. So ist es denn auch. Die Exporte aus den Niederlanden nach Südostasien, Westafrika und neuerdings auch nach Russland, Weißrussland und in die Ukraine, laufen gut. Dies schlägt sich auch in deutlich gestiegenen Kursen nieder. Unsere westlichen Nachbarn verfügen zwar noch über reichliche Vorräte, so dass alterntige Ware in den kommenden Wochen und Monaten nicht knapp werden wird. Aber diese Herkünfte gehen zunächst einmal ihren eigenen Weg in den Export in Drittländer. Die Franzosen haben anscheinend noch mehr Ware als im Vorjahr. Die Engländer sind ebenfalls noch gut versorgt. Der Inlandsmarkt macht hierzulande nun auch keine Sorgen mehr. Die Vermarktung ist insgesamt weit fortgeschritten, weist jedoch große regionale Unterschiede auf. Von "geräumt" in der Anbauregion Südwestdeutschland bis zu "halb geräumt" im Rheinland, reicht die Palette. Unter dem Strich lassen sich die Bestände an deutscher Ware wohl nur noch auf 20 Prozent addieren. Die Naturläger werden Mitte/Ende Februar geräumt sein. Die Kühlhausware, die in guter bis sehr guter Qualität vorliegt, dürfte ohne Probleme ihre Käufer finden.

Doch entscheidenden Einfluss auf die neue Zwiebelsaison haben die Lieferländer der südlichen Hemisphäre. Dort - so gewinnt man zumindest derzeit den Eindruck - hat man noch das Desaster des Vorjahres in den Knochen sitzen. Markteinstiegspreise von 80,- DM/dt und darunter ließen schon nichts Gutes erwarten. Ein Absinken bis auf 50,- oder sogar 48,- DM/dt trieb schließlich das Ausmaß des Debakels auf die Spitze. Bei reinen Frachtkosten von 45,- DM/dt hat außer den Reedern beziehungsweise Verfrachtern kaum einer sein Geld wiedergesehen. Die meisten - vor allem die Erzeuger - haben wohl mächtig draufgelegt. Verträge, so heißt es am Markt, seien nicht eingehalten worden. Viele warten noch heute auf ihr Geld, das einige versuchen, über gerichtliche Wege einzutreiben.

All dies blieb nicht ohne Konsequenzen. Auch wenn die Landwirte in Übersee kaum Anbaualternativen haben, überwog die Skepsis gegenüber dem Zwiebelanbau mit dem Resultat, dass die Flächen für diese Frucht um 15 bis 20 Prozent eingeschränkt wurden. Um diesen Prozentsatz dürften auch die Exporte nach Europa kleiner ausfallen als im Jahr 2000. Zudem - so hofft die Branche jedenfalls - werden die Neuseeländer in diesem Frühjahr die Marktbeschickung nicht nur besser dosieren, sondern auch die Qualität, die man auf die lange Reise schickt, besser im Auge haben, um nicht nochmals einem solch defizitären Geschäft Tür und Tor zu öffnen. Ein schlechtes und ein katastrophales Jahr in Folge sind mehr als genug.

Die Vorlage der Einstiegspreise der neuen Überseezwiebeln in einer Größenordnung von etwa 105 DM/dt franko Raum Rhein/Main/Neckar für Lieferung Ende März lassen für dieses Frühjahr hoffen. Noch halten sich die Abpackbetriebe mit Vorkontrakten zurück. Noch traut man den positiven Zeichen nicht so recht, zumal das vorzeitige Engagement in den beiden vergangenen Jahren sich meist nicht ausgezahlt hat. In dieser Saison möchte man auf der sicheren Seite stehen und wartet erst einmal ab. So lange noch völlig offen ist, was aus dem Anbau in Argentinien, Brasilien und Chile auf dem europäischen Markt kommt, und ob südafrikanische Ware nicht doch noch durch die hohen Kurse angelockt wird, ist Vorsicht geboten.
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