1

Visionen
Von Brigitte Stein, Frankfurt am Main,

Anbauplanung und Pflanzgutbezug bei den Landwirten für die nächste Kartoffelsaison sind im Gange. Dies ist der rechte Moment, beratend einzugreifen und ein weiteres trauriges Kartoffeljahr verhindern zu helfen. Anbaueinschränkungen um radikale 20 Prozent werden da vehement gefordert. Doch vermutlich glauben selbst diejenigen, von denen diese Forderung stammt, nicht an die vollständige Erfüllung. Die hohe Forderung soll vielleicht bewirken, dass ein eher realistischer Flächenrückgang um 5 Prozent zu Stande kommt.

Im Rahmen der utopischen Forderungen könnten auch die Züchter angegangen werden, die sich gerade über die Pflanzgutpreise im Frühjahr beraten. Ein saftiger Überwinterungszuschlag könnte doch am Rad der Anbaufläche drehen. Auch eine freiwillige Selbstbeschränkung beim Verkauf des erzeugten Pflanzgutes könnte das Angebot verknappen und positiv auf die kommende Kartoffelsaison wirken. Hier ist jedem klar: Solche Vorschläge entbehren jeden Bezug zur Wirklichkeit.

Weit realistischer ist es, Hoffnungen auf die Kartoffelerzeuger setzen, die nun eine ganze Weile mit wenig Erfolg den Knollen die Treue hielten. Bei dem einen oder anderen ist sicher irgendwann Schluss. Vielleicht in diesem Jahr? Vielleicht. Wenn nicht gar zu viele unverkaufte Knollen dazu verleiten, sie doch noch einmal in die Erde zu stecken und jede phytosanitäre Überlegung auszublenden. So könnte alles werden wie im vorigen und diesem Jahr.

Genau diese Einschätzung spiegeln die ersten Abschlüsse an der WTB Hannover über den Kontrakt März 2002 wider: Mit 8,7 Euro/dt startete der Kontrakt um 1,8 Euro/dt niedriger als im vorigen Jahr. Von Seiten der Käufer gab es natürlich auch Phantasien mit niedrigeren, von Seiten der Verkäufer von höheren Preisen. Diese äußerst unterschiedlichen Vorstellungen waren nicht zusammenzubringen.

Gerade diese nicht sehr optimistische Perspektive des WTB-Kontraktes auf das kommende Frühjahr könnte jedoch noch eine Wende zum Guten herbeiführen. Wenn Erzeuger diesen derzeitigen Ausblick als Hintergrund für ihre Anbauplanung verwenden, dann werden einige die Finger von Kartoffeln lassen, wenn sie ehrlich kalkulieren wollen. Dann besteht auch Hoffnung, dass die letzten unverkauften Knollen verfüttert oder selbst gegessen, keinesfalls jedoch in den Boden gesteckt werden. Doch noch besteht kein Grund zum Optimismus.


 
Was denken Sie?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Kommentar ins Gästebuch

Diesen Kommentar hätten Sie übrigens schon am Mittwoch lesen können...
Agrarzeitung ERNÄHRUNGSDIENST - unabhängig - kritisch - aktuell

Nutzen Sie jetzt die Gelegenheit, die Agrarzeitung ERNÄHRUNGSDIENST kennenzulernen:
Vier Wochen kostenloses Probelesen!


Natürlich können Sie uns auch über den üblichen Weg erreichen:

per Fax: 069-7595-1260
per Brief: Deutscher Fachverlag GmbH
60264 Frankfurt am Main
per Email: AgroOnline@dfv.de

stats