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Wirrwarr
Von Sylvia v. Hahn, Mundelsheim

Da haben wir nun die Vorschläge der neuen Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast: Zwei abgestufte Qualitätssiegel sollen her für alle Agrarprodukte. Das eine soll nach Öko-Kriterien produzierte Lebensmittel kennzeichnen, das andere möchte sie für konventionell erzeugte Produkte vergeben, die "gewisse Mindeststandards" einhalten. Beide zusammen sollen, so ihre Hoffnung, beim Verbraucher das Vertrauen in die Unbedenklichkeit der landwirtschaftlichen Produkte zurück gewinnen helfen. Und zwar aller Produkte, vom Rindersteak bis hin zur Kartoffel.

Wenn das doch so einfach wäre! Bio- und Öko-Kennzeichen gibt es bisher schon in Fülle, auch Herkunfts- und Qualitätszeichen schmücken viele Erzeugnisse zwischen Flensburg und dem Bodensee. Hinzu kommen diverse Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels auch für das Öko-Sortiment.Sie alle haben ihre Kriterien, doch dem Verbraucher sind sie kaum bekannt. Der ist ob der rund 100 verschiedenen Bio- und Ökomarken eher verwirrt. Und dass etwa BSE vor solchen Gütesiegeln Halt macht, ist kaum mehr als Wunschdenken, solange die Infektionswege nicht exakt bekannt sind. Bio-Bauern, die ihre Wiesen und Felder mit Tiermehl düngten, haben heute und auch morgen möglicherweise ein Problem. Und wenn zu den Übertragungsmedien auch Mist und Gülle zählen sollten, wie hier und da vermutet wird, kann sich kaum noch Jemand in Sicherheit wiegen, Kartoffeln erzeugende Landwirte eingeschlossen.

Da baut ein schlauer Händler lieber vor. Die Verunsicherung des Publikums vor Augen, prangte kürzlich an seinem Marktstand in Stuttgart ein durchaus ernst gemeintes Schild: "Unsere Kartoffeln, Äpfel und Kürbisse sind ohne BSE". Auf Nachfrage war zu hören, dass der Betrieb nur mit Gründünger arbeite. Doch allein mit Gründünger lassen sich Nahrungsmittel nicht im benötigten Umfang und zu erschwinglichen Preisen produzieren. Da haben die 47 Agrarökonomen völlig Recht, die eine generelle Abkehr von der sogenannten "industriellen Landwirtschaft" hin zum ökologischen Landbau als unrealistisch bezeichnet und dies auch einsichtig begründet haben.


 
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