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Wie weiter?
Von Dietrich Baumann, Erfurt

Es war Aschermittwoch in Sachsen, aber keine rechte Spur von Katerstimmung. Was nützte die auch? Zwar gehören die Kartoffelproduzenten zu den Landwirten, die den geringsten Grund haben, Halleluja zu rufen, aber ihren Kollegen aus der Viehzucht vergeht die gute Laune ja auch schon seit Monaten.

Im "Groitzscher Hof" zu Groitzsch, nahe Meißen, ging an diesem Aschermittwoch jedenfalls kein Apfel zur Erde. Die sächsische Kartoffelfamilie traf sich und nicht etwa zum letzten Gefecht, sondern zu einem Jubiläum: Der Sächsische Qualitätskartoffelverband und die sächsische Pflanzkartoffelbörse begingen ihr 10jähriges Bestehen. Zu diesem Ereignis kamen auch viele Kollegen aus dem benachbarten Thüringen. Man betonte die Gemeinsamkeit und hat ja schließlich auch die gleichen Sorgen: Seit zwei Jahren sind die Preise im Keller, schreiben die Anbauer tiefrote Zahlen. Aber echte Kartoffelleute sind zäh und ausdauernd. Die Tagung in Groitzsch begann dazu mit einer freudigen Premiere: drei Genossenschaften aus dem Erzgebirgsvorland erhielten das Prädikat: "Ausgezeichneter Sächsischer Pflanzkartoffelbetrieb 2001". An ihren Hoftoren künden jetzt attraktive Messingtafeln: Hier bei uns werden Pflanzkartoffeln von höchster Qualität erzeugt. Freudige Anerkennung gab es in Groitzsch auch für eine Botschaft aus Richtung Dresden: alle angedachten Förderinstrumentarien für den Zeitraum 2000 bis 2006 erhielten den Segen der EU. Das gilt unter anderem für Investitionen im Bereich der Kartoffellagerung, -aufbereitung und -verarbeitung, für den Kauf von Entsteinungstechnik in Gesundlagen oder für Marketingmaßnahmen. Unter die Arme gegriffen wird auch den Erzeugergemeinschaften: Sie sollen die Möglichkeiten ihrer Marktmacht besser ausschöpfen können als bisher.

Die andere Seite: Seit 1994 schrumpfte die Zahl der sächsischen Kartoffelanbauer um 556 Betriebe und die Zahl der Aussteiger wird im laufenden Jahr weiter zunehmen.

Wie soll es weitergehen mit der Kartoffelwirtschaft in Sachsen (und Thüringen)? Darüber war man sich im Grunde einig. Der Verbraucher soll auf die in der Region erzeugten Kartoffeln zurückgreifen und die müssen ohne Fehl und Tadel sein. Ganz besonders gilt das für Premiummarken, wie die "Erdäpfel - Kartoffeln aus Sachsen". Hier wurden die Maßstäbe so hoch angesetzt, dass es noch in keinem Jahr ein Überangebot an Ware gab. Der Verbraucher soll im Laden kein anonymes Massenprodukt vorfinden, betonten die Experten, sondern ein Produkt, welches ihn anspricht durch Qualität und Regionalität. Da sind immer wieder neue Ideen gefragt gleich, ob es sich um die Verpackung oder um die Werbung handelt.

Im Rahmen eines Kooperationsvertrages wollen Thüringen und Sachsen ihre Marktmacht bündeln. Freilich, beide Länder sind keine Riesen auf dem Kartoffelmarkt, aber gerade deswegen muss Einigkeit stark machen. Beim Kampf jeder gegen jeden gibt es nur Verlierer. Leider ist dieser Kampf aber noch nicht ganz ausgestanden. Größer als bisher soll das Wort Vertragsanbau geschrieben werden. Unter diesem Aspekt müssen die Erzeugergemeinschaften als Partner der Vermarkter und Verarbeiter enger als bisher zusammenarbeiten.

Groitzsch war zum 10. Mal symbolischer Startplatz für eine neue Kartoffelsaison. Den zufällig gewählten Aschermittwoch prägte zwar keine Katerstimmung. Die dürfte aber folgen, wenn 2001 trotz aller Anstrengungen der Landwirte, Vermarkter und Verarbeiter ein drittes rabenschwarzes Kartoffeljahr werden sollte.


 
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