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Überfordert?

Von Brigitte Stein, Frankfurt am Main

Gut Ding will Weile haben" so lautet ein Sprichwort. Daran scheint die Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) ganz fest zu glauben bei ihrer langwierigen Entscheidung über den Verkauf ihrer Kartoffelmarke Ackergold. Mittlerweile sind hier aber Zweifel angebracht, ob etwas allein deshalb gut wird, weil es lange währt. Vielmehr ist der Eindruck entstanden, dass die CMA ihrer Marke Ackergold wenig Wert beimisst und sie ins Gerede kommen lässt.

Seit Monaten gibt die CMA bekannt, dass gerade in der jeweils kommenden Woche entschieden werden wird, welcher der drei Kaufinteressenten den Zuschlag erhalten soll. Woche um Woche vergeht - ohne dass eine Entscheidung fällt. Dabei rückt die nächste Vermarktungssaison ebenfalls Woche um Woche näher. Auch für Kartoffeln, die unter der Marke Ackergold verkauft werden sollen. Dafür müssen Vorbereitungen getroffen und Verträge geschlossen werden: Nicht nur Pflanzkartoffeln müssen gekauft werden. Zur Markenpflege gehört es ja auch, die eine oder andere Markenverpackung vorrätig zu haben oder gar Werbematerial vorzubereiten. Vielleicht ist man sich bei der CMA all dieser Dinge nicht mehr bewusst?

Vielleicht trösten sich die Verantwortlichen auch mit der Tatsache, dass die Ackergold Vertriebsgesellschaft mbH ja noch einen Vertrag zur Markennutzung bis zum 30. Juni 2002 hat? Und weil sie sich ja auch um den Kauf der Marke beworben hat, werde sie schon an einer weiteren Markenpflege interessiert sein. Tatsächlich sieht sich die Ackergold Vertriebsgesellschaft genau dazu genötigt: Verträge wurden geschlossen, um über eine Kartoffelmenge wie im Vorjahr verfügen zu können. Ob von der Werbung dann vielleicht ganz andere profitieren, ist eine Sorge, die nicht von der Hand zu weisen ist. Ein böser Verdacht könnte der CMA sogar unterstellen, ganz kaltschnäuzig mit dieser Tatsache zu kalkulieren und daher der Vertriebsgesellschaft nicht vorzeitig eine Absage zu erteilen.

Vielleicht ist die CMA aber auch strukturell einfach überfordert, irgendwelche Entscheidungen zu treffen? Das Ausschreibungsverfahren ließ ja schon ahnen, wie kompliziert die Entscheidung werden würde: Da sollte nicht nur eine Summe zum Kauf der Marke genannt, sondern auch ein Konzept für die weitere Entwicklung vorgelegt werden. Bei ähnlicher finanzieller Einschätzung der Marke und vermutlich nicht weit auseinander klaffenden Konzepten musste eine Entscheidung schwer fallen. Vorsichtshalber wurden auch noch Gesellschafter der CMA befragt, was das Prozedere sicher nicht beschleunigt.

Mittlerweile hat die CMA Jörn Johann Dwehus als neuen Geschäftsführer, dafür aber zwei Prokuristen weniger, von denen Dr. Michael Vogt mit dem Verkauf der Marke betraut gewesen war. Von einer Neuformierung innerhalb der CMA ist die Rede. Bis diese vom Aufsichtsrat gültig gegeben wird, wird der nächste Monat bereits begonnen haben.

Übrigens: Rein juristisch sind die bietenden Parteien inzwischen gar nicht mehr an ihre Gebote gebunden. Dass diese dennoch von ihren Kaufgeboten nicht zurücktreten, bestätigt dann doch wieder den Wert der Marke. Dem sollte die CMA endlich Rechnung tragen und eine Entscheidung fällen - zum Wohl der Marke Ackergold.
 
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