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Neue Chance
Von Jan Peters, Hamburg

Die Kartoffelerzeuger befinden sich mit ihrem Produkt in diesem Jahr mal wieder in einem extremen Preistal. Es ist besonders tief und aus heutiger Sicht muß bezweifelt werden, dass es auch im Anschluss an die neue Frühkartoffelsaison in der Vermarktungskampagne 2001/02 durchschritten wird. Nach den bisherigen Erkenntnissen zeichnet sich kaum eine Reduzierung der Anbaufläche für Speisekartoffeln für die kommende Saison ab. Doch müsste die Anbaufläche um mindestens 15 Prozent bis 20 Prozent gesenkt werden, damit wieder eine ausgeglichene Angebots- und Nachfragesituation erreicht wird. Die Erntemengen an Speisekartoffeln sind von 11,0 Mio.t in 1998 auf 11,6 Mio.t zu Ernte 1999 und schließlich auf mehr als 12,6 Mio.t Kartoffeln zur vergangenen Ernte 2000 gestiegen. In gerade einmal zwei Jahren hat sich damit die Erzeugung in Deutschland um mehr als 14 Prozent erhöht.

Sollte das Angebot nicht zu reduzieren sein, müssen die Erzeuger auch in der kommenden Saison 2001/02 mit niedrigen Preisen leben. Dabei bleibt zu bedenken, dass ein weiteres Jahr mit nicht kostendeckenden Erlösen in der Landwirtschaft für manchen Betrieb eine weitere schmerzhafte Erfahrung bedeuten wird. Ein Blick auf die Warenterminbörse in Hannover zeigt, dass für Speisekartoffeln aus der kommenden Ernte 2001 im Oktober dieses Jahres ein Preisniveau von 13,- DM/dt erwartet wird. Bei diesen niedrigen Erzeugererlösen muss jeder Produzent für seinen Betrieb individuell errechnen, ob er zu diesem Preisniveau Speisekartoffeln in guter Qualität überhaupt produzieren kann. Die gängigen Vollkostenkalkulationen beim Anbau von Speisekartoffeln lassen jedenfalls keine Rendite bei diesen niedrigen Erzeugererlösen zu, auch nicht auf den besseren Standorten. Besser wäre es, wenn jeder Erzeuger bundesweit seine Anbauplanung noch einmal überdenken und die Fläche reduzieren würde. Eine gleich hohe oder sogar höhere Anbaufläche an Speisekartoffeln für das kommende Wirtschaftsjahr 2001/02 verheißt keinen guten Preisstart.

Bei einer anhaltend großen Anbaufläche in Deutschland muss auch berücksichtigt werden, dass in unseren westlichen Nachbarländern ebenfalls eine höhere oder gleichhohe Erntemenge an Speisekartoffeln zu erwarten ist. Deren Angebot kann auch an den hiesigen Märkten preisdrückend wirken. Von einer deutlichen Steigerung der Nachfrage am Markt für Speisekartoffeln ist gleichzeitig nicht auszugehen. Der Kartoffelverzehr in Form von Frischware und Fertigprodukten läßt, wie die Verbraucherstatistik der vergangenen Jahre zeigt, kaum eine marktbeeinflussende Mengenveränderung erwarten. Damit es am Markt für Speisekartoffeln in Kürze nicht zu unliebsamen Überraschungen kommt, muss schon heute auf der Suche nach einer Marktstabilisierung gegengesteuert werden. Landwirte, die aufnehmende Hand, der Kartoffelhandel müssen eng und gemeinsam um die Verbesserung der Preissituation am Speisekartoffelmarkt bemüht sein. Doch wer organisiert die Gespräche, und wo finden sie statt?
 
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