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Besserung
Von Horst Hermannsen, München

Am Markt für Speisekartoffeln gab es in jüngster Zeit nur wenig Grund für überzeugenden Optimismus. Beim Handel lagen zeitweise die Nerven blank. Es kam aber auch knüppeldick. Die Notierungen gerieten auf Grund des insgesamt sehr reichlichen Angebotes unter erheblichen Druck. Der Absatz war aber weniger eine Preis- als vielmehr eine Mengenfrage. Bei den Landwirten hat sich weniger Panik, eher Resignation breit gemacht. Was jetzt noch auf den Höfen liegt und von mäßiger Qualität ist, lässt sich künftig nur sehr schwer verkaufen.

Mittlerweile konzentriert sich das Interesse saisonbedingt auch auf importierte Speisefrühkartoffeln. Der Lieferbeginn wichtiger Anbieter war diesmal ausgesprochen früh. Dies lässt den Schluss zu, dass die Saison für Importware, vor allem aus dem Mittelmeerraum, relativ zeitig beendet sein könnte. Davon würden dann die heimischen Herkünfte profitieren. Für Mitte/Ende Mai erwarten Marktbeobachter eventuell sogar einen gewissen Engpass. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, so wäre das ebenfalls für die hiesigen Erzeuger von Vorteil. Ob davon allerdings die Restmengen alterntiger Ware profitieren, ist fraglich.

Das Frühkartoffelangebot aus der Inlandserzeugung muss spätestens im Juni mit Offerten aus der französischen Bretagne konkurrieren. Dies dürfte nicht allzu schwer fallen. Zum Einen ist dort die Anbaufläche nicht gerade üppig und zum Anderen verhindern die vergleichsweise hohen Frachtkosten extreme Billigangebote. Für Deutschland selbst fällt es schwer, gegenwärtig Anbau- und Angebotsprognosen abzugeben. Die Witterungsverhältnisse in den wichtigen Erzeugerregionen erschweren die Pflanzungen in hohem Maße. In der Pfalz zum Beispiel spricht man von "Land unter". Darunter könnte unter anderem der Folienanbau leiden. Andererseits deuten Umfragen unter den Landwirten darauf hin, dass sie die Anbaufläche gerne ausgedehnen würden. In Niedersachsen steht die Ankündigung, 20 Prozent mehr als voriges Jahr an Frühkartoffeln anbauen zu wollen. Im Jahr 2000 wurde die gesamte deutsche Frühkartoffelfläche um rund 3 Prozent auf 17 750 ha verringert.

Unabhängig davon dürfte die Tendenz am künftigen Markt für Speisefrühkartoffeln in Deutschland überwiegend stabil sein. Denn das Gesamtangebot wird wohl begrenzt ausfallen. Die aktuell eher niedrigen Preise für Importware müssen im Zusammenhang mit den überreichlichen, sehr billigen Angeboten an alterntigen Knollen gesehen werden.
 
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