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Argusaugen
Von Cäcilie Daus-Speicher, Wiesbaden

Zug um Zug erobern die neuen Überseezwiebeln den Markt - und das auf kontinuierlich festem Preisniveau. Die Prognosen, Anfang des Jahres noch als Spekulation eingestuft, bestätigen sich mehr und mehr. Die Verfügbarkeit der neuerntige Knollen von der südlichen Hemisphäre ist nicht sehr üppig, die der kleinen Kaliber sogar knapp. Die Prognose für die kommenden sechs bis acht Wochen: Der Markt für Überseezwiebeln ist und bleibt fest gestimmt, kleinfallende Ware erzielt horrende Aufgelder.

Aus Sicht der Vermarkter bestehen denkbar gute Aussichten am neuen Zwiebelmarkt. Die inländische Kühlhausware ist bis auf Restmengen platziert. Alterntige Knollen aus den Niederlanden sind zwar noch reichlich verfügbar. Sie werden auch weiterhin ihren Platz im Sortiment der Lebensmittelketten einnehmen, insbesondere dort, wo auf eine recht gute und günstige Ware Wert gelegt wird. Doch das Gros der Marktbeschickung erfolgt künftig mit neuer Importware, vornehmlich aus Neuseeland, Tasmanien und Argentinien. Obwohl diese Herkünfte schon vor den Osterfeiertagen einen beachtlichen Marktanteil erobern konnten, erwartet die Branche in dieser und der kommenden Woche "dass es so richtig los geht", wie es ein Marktteilnehmer formulierte.

Mit dem vollen Markteinstieg bei weitgehend ausgewogenem Angebot dürfte sich die seit Wochen feste Preistendenz weiter fortsetzen. Auch an der knappen Versorgung mit kleinen Sortierungen wird sich kaum etwas ändern. Das Erntegut in Neuseeland liegt überwiegend in den Kalibern 50-70 mm vor. Zudem scheinen die Versender die kleine Ware nach den schlechten Erfahrungen am europäischen Markt im Jahr 2000 nicht unbedingt für den Kontinent vorgesehen zu haben. Vielmehr - so die Vermutung in der Branche - bedient man damit bevorzugt treue Abnehmer im außereuropäischen Raum, etwa Japan. Die kürzeren Versandwege kommen den kleinen Zwiebeln entgegen, die doch qualitativ anfälliger und problematischer beim Transport sind. Für die Vermarktung von Überseezwiebeln spielen natürlich Erntebeginn und zu erwartende Menge der neuen europäischen Speisezwiebeln eine Rolle, wenngleich es sich bei dieser Ware um eine Winterzwiebel handelt, die nur bedingt als Konkurrenz zu der festschaligen Überseeknolle zu sehen ist. Aus Italien erwartet der Markt Mitte bis Ende Mai Lieferungen aus den frühen Anbaugebieten Kalabrien und Latina, sowie im Juni aus Bologna. Der Süden Europas hatte bisher recht günstige Wachstumsbedingungen, doch die Mengen, die von dort zu erwarten sind, bleiben überschaubar und können als Ergänzung für den Frischmarkt angesehen werden. Die deutschen Winterzwiebeln werden auf Grund ihres sehr begrenzten Anbaus mehr oder weniger "nebenbei" vermarktet werden. Bleiben noch die deutschen Sommerzwiebeln, hinter die derzeit noch ein großes Fragezeichen gemacht werden muss. Nicht nur, dass sie mit deutlicher Verspätung ausgesät wurden, ihnen fehlen bisher auch noch wüchsige Temperaturen, die den augenblicklichen Wachstumsrückstand ausgleichen könnten. Die inländischen Zwiebelerzeuger werden in den kommenden Wochen also nicht nur ihre Feldbestände mit Argusaugen im Blick behalten, sondern auch Markt und Preis in der Hoffnung auf ein notwendigerweise preislich zufrieden stellendes Zwiebeljahr.


 
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