1

Doch normal
Von Sylvia v. Hahn, Mundelsheim

Es hätte so schön sein sollen: Zum 19. Februar hatte der Heilbronner Kartoffelanbauberater Mark Mitschke zu einem publikumswirksamen offiziellen Start der Pflanzkartoffelsaison nach Lauffen ins württembergische Unterland eingeladen unter dem Motto "So früh wie noch nie". Doch dann kam der große Regen, und Mitschke musste die Veranstaltung abblasen. Die anhaltend nasse Witterung verhinderte auch in den folgenden Wochen das Einbringen der Pflanzkartoffeln in Württemberg. Anders dagegen im badischen Kaiserstuhlgebiet. Dort hatte Petrus erlaubt, dass zumindest der Großteil der Frühkartoffeln, die mit Folie abgedeckt werden sollten, in der Zeit um den 16. Februar gesteckt werden konnten. In Württemberg hatten viele Landwirte tiefe Sorgenfalten auf der Stirn und fürchteten um ihre diesjährige Ernte. In der Tat kamen dann die Frühkartoffeln bei ihnen so spät in den Boden wie schon lange nicht mehr. Auch wenn bis Ende April witterungsbedingt erst etwa 50 Prozent der zu erwartenden Kartoffelanbaufläche bestellt sein dürften gegenüber 80 bis 90 Prozent in normalen Jahren, hat sich die Stimmung bei den Landwirten jedoch beruhigt. Mark Mitschke weiß, warum: "Das um drei bis vier Wochen spätere Pflanzen führt voraussichtlich nur zu einer um etwa zehn Tage verspäteten Ernte."

Die Gründe dafür liegen nicht zuletzt in den gut vorgekeimten Knollen und der inzwischen schnelleren Erwärmung des Bodens. Beides führt zu einer schnelleren Wurzelbildung und damit zu einem beschleunigten Wachstum der Pflanzen. Durch die in den Frühkartoffelgebieten übliche Abdeckung der Felder mit Lochfolie kann ein Rodevorsprung von weiteren zehn Tagen erreicht werden. Als Folge, so hat Mitschke den betroffenen Landwirten deutlich gemacht, könnten die im Unterland geernteten Knollen um Pfingsten auf einen "aufgeräumten Markt" stoßen. Denn insbesondere aus Spanien und Ägypten würden in diesem Jahr weniger Frühkartoffeln importiert werden als in den Jahren zuvor.

Ob der Mann vom landwirtschaftlichen Beratungsdienst Kartoffelanbau in Heilbronn Recht behalten wird, muss sich noch zeigen. Denn eine Prognose ist schwer. Der Frühkartoffelmarkt ist immer für Überraschungen gut. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich die ursprünglichen Sorgenfalten der Erzeuger glätten und einem behaglichen Lächeln weichen könnten. Kommt es so, dann hätte sich wieder einmal gezeigt, dass die Wege der Natur vielfältig sind und scheinbar unabwendbare Katastrophen recht schnell einem Zustand weichen können, den man als in der Bandbreite des Normalen liegend, ja letztlich im Ergebnis als normal bezeichnen kann.


 
Was denken Sie?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Kommentar ins Gästebuch

Diesen Kommentar hätten Sie übrigens schon am Mittwoch lesen können...
Agrarzeitung ERNÄHRUNGSDIENST - unabhängig - kritisch - aktuell

Nutzen Sie jetzt die Gelegenheit, die Agrarzeitung ERNÄHRUNGSDIENST kennenzulernen:
Vier Wochen kostenloses Probelesen!


Natürlich können Sie uns auch über den üblichen Weg erreichen:

per Fax: 069-7595-1260
per Brief: Deutscher Fachverlag GmbH
60264 Frankfurt am Main
per Email: AgroOnline@dfv.de

stats