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Marketing

Von Klaus Knippertz, Frankfurt am Main

Etwas publicityscheu präsentierte sich kürzlich die deutsche Bestfoods Deutschland GmbH in Heilbronn. Anlass waren angeforderte Auskünfte über ein neues Konservenprodukt, das das Unternehmen seit Ende vergangenen Jahres unter dem Markennamen "Pfanni" und unter dem Produktnamen "Kartoffel pur" vermarktet. Laut Konzernangaben handelt es sich um frische Kartoffeln, die schonend vorgegart, in Scheiben geschnitten und leicht gesalzen sind. Ein spezielles, patentiertes Herstellungsverfahren garantiere, dass Geschmack, Konsistenz und Nährstoffe wie bei frisch gekochten Kartoffeln erhalten bleiben, und zwar ohne Konservierungsstoffe. "Kein Kartoffeln-Waschen, kein Schälen, kein Kochen, kein Schneiden mehr - die Verbraucher sind von der einzigartigen Innovation begeistert," so das Unternehmen in einer - allgemeinen - Pressemitteilung. Einer Umfrage "der Marktforscher" zufolge überzeuge das Produkt "auf der ganzen Linie".

Auf der ganzen Linie ? Nicht unbedingt. Denn wer schnell mehr wissen will, könnte enttäuscht werden. Ein schönes grünes Gütesiegel schmückt das Dosenetikett, das "kontrollierten Pfanni-Kartoffel-Anbau" durch ausgewählte Vertragslandwirte verspricht. Mehr war bei einem Testkauf am "Point of Sale" nicht zu erfahren. Aufklärende Zusatzinformationen am Ladenregal fehlten. Aber ein Info-Blatt über die kontrollierte Pfanni-Qualität bekommt der interessierte Verbraucher auf Anfrage zugeschickt. Ausdrücklich weist es darauf hin, dass es sich nicht um Öko-Kartoffeln handelt. Vielmehr soll nach den Pfanni-Kriterien unter anderem eine 3-jährige Fruchtfolge eingehalten werden. Die Ausbringung von Klärschlamm ist verboten. Landesuntersuchungs- und Forschungsanstalten kontrollieren die Nährstoffversorgung der Böden sowie auf Schwermetalle, Nitrat und Pflanzenschutzmittelrückstände. Die verarbeiteten Kartoffeln müssen frei von Pflanzenkrankheiten sein. Zudem werden dem Infoblatt zufolge "geeignete Sorten" für den Anbau ausgewählt.

Welche Kartoffelsorte dann schließlich angebaut wird, darüber hüllt sich die Bestfoods-Stelle für "Product-Publicity" allerdings in Schweigen. Wo die Pfanni-Landwirte ansässig sind, will man in Heilbronn - ebenfalls auf Anfrage - nicht mitteilen. Der grobe Hinweis Norddeutschland muss genügen. Der kostenlose telefonische Infoservice der Marke Pfanni lässt sich immerhin zu der Vermutung "Mecklenburg-Vorpommern" hinreißen. In höchstem Maße verwirrend wurde die Frage nach dem Verarbeitungsort der Kartoffeln beantwortet. Die "Product-Publicity"-Stelle ging so weit, sich auf Ungarn festzulegen. Der Infoservice hingegen favorisierte erst einmal das Pfanni-Werk im mecklenburg-vorpommerschen Stavenhagen.

Zumindest Pfanni-Vertragslandwirte und solche, die es werden wollen, dürfte eine derartige Öffentlichkeitsarbeit stutzig machen. Vielleicht hatten sowohl die "Product-Publicity"-Stelle als auch die Info-Hotline zur gleichen Zeit einen schlechten Tag. Schade wäre allerdings, wenn dies die Regel wäre. Böswillig vermuten ließe sich, dass das Unternehmen Bestfoods den wirklich interessierten Verbraucher nicht allzu ernst nimmt. Ist der Trend zur zunehmenden Transparenz in der Nahrungsmittelindustrie verpasst worden ? Dennoch ist Bestfood Erfolg zu wünschen. Schließlich rechnet das Unternehmen mit einem "Riesen-Potenzial" für seine "Kartoffel pur".
 
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