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Rückzug

Von Brigitte Stein, Frankfurt am Main

Einschränkungen im Kartoffelanbau waren notwendig. Das war nach zwei Jahren mit extrem niedrigen Kartoffelpreisen nicht mehr zu übersehen. Nun zeigen die ersten bundesweiten Statistiken, wie stark die Erzeuger mit ihrer Anbauplanung reagierten: Die Anbaufläche für Speiseware wurde um 5,4 Prozent eingeschränkt, so das Statistische Bundesamt, und die Pflanzgutvermehrungsfläche ging um 8,4 Prozent zurück, so die Landwirtschaftskammer Hannover. Lediglich der Frühkartoffelanbau wurde um 5,2 Prozent ausgedehnt, so die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP). Damit wurden bei der Einschränkung der Fläche für Speiseware zwar die vielfach genannten Zielmarken von 10 oder gar 20 Prozent Flächenrückgang verfehlt, doch waren diese Zielvorgaben mitunter nur auf bestimmte Marktsegmente gemünzt gewesen.

Von den wichtigen Regionen des Kartoffelanbaus leistet Bayern mit einer Einschränkung um 9,7 Prozent oder 5 400 ha einen wesentlichen Beitrag. Der Rückgang bei den frühen Sorten fiel in Bayern als späteste deutsche Frühkartoffelregion mit einem Minus von 12,8 Prozent noch größer aus. In anderen Gebieten Deutschlands wurde das Frühkartoffelareal dagegen ausgedehnt. Diese gegenläufige Entwicklung macht sichtbar, dass die Erfahrungen aus den beiden vergangenen Jahren die Erzeuger gelehrt haben, dass mit Frühkartoffeln nur zum rechten Termin auf jeden Fall Geld zu verdienen ist.

Recht rigorose Einschnitte aber haben bundesweit die Pflanzgutvermehrer vorgenommen, die nur noch auf 18 661 ha Pflanzgut für die nächste Saison erzeugen nach 20 382 ha im Jahr 2000. Allein daraus lässt sich ablesen, dass diese Spezialisten unter den Kartoffelerzeugern der Überversorgung des Marktes den größten Tribut zollen mussten. Schlechte Preise für Speiseware drücken ja nicht nur auf die Preise, sondern auch auf die absetzbaren Mengen für Pflanzgut. Zu dem bundesweiten Rückgang trugen am stärksten die Erzeuger in Bayern mit 418 ha, in Niedersachsen mit 360 ha, in Brandenburg mit 322 ha und in Mecklenburg-Vorpommern mit 249 ha weniger Vermehrungsfläche bei.

Offensichtlich ist damit, dass insbesondere in Deutschlands zweitgrößter Kartoffelanbauregion Bayern die Erzeuger vorerst Abstand nehmen vom Kartoffelanbau. Doch leider bietet eine kleinere bundesweite Vermehrungsfläche in diesem Jahr keine Gewähr für eine kleinere Anbaufläche auch in der Saison 2002/2003. Zu groß ist der Einfluss des unkontrollierbaren Nachbaus. Sonst ließe sich der gesamte Kartoffelmarkt mit Hilfe der Vermehrungsfläche steuern zu Gunsten verlässlicher Preise und mit dem zusätzlichen Nutzen für die phytosanitäre Situation.
 
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