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Chance

Von Sylvia v. Hahn, Mundelsheim

Nur zögernd ist in diesem Jahr in Baden-Württemberg die Frühkartoffelkampagne in Gang gekommen. Witterungsbedingt kamen die Pflanzkartoffeln so spät wie noch nie in den Boden. Anfang Juni sorgte Petrus erneut für Wetterkapriolen, so dass sich der Erntestart weiter verzögerte. Erst im Laufe der vergangenen Woche konnte mit einer einigermaßen kontinuierlichen Marktbeschickung begonnen werden. Die bislang gerodeten Mengen sind zufrieden stellend. Die ersten Erträge lagen zwischen 180 und 230 dt/ha Nettoware. Für den weiteren Verlauf werden ordentliche, aber keine Spitzenerträge erwartet, zumal mit einem höheren Anteil an grünen Knollen zu rechnen ist. Denn die lang anhaltenden Niederschläge haben auf Lössböden zu Horizontverdichtungen unterhalb der Kartoffeln geführt und lassen die Pflanzen eher nach oben als nach unten wachsen. Hinzu kommen zum Teil Bestände mit sehr unterschiedlicher Krautentwicklung, die besonders bei Berber, Marabell und Selma beobachtet werden.

Deutlich höher als im vergangenen Jahr lagen die zu Erntebeginn notierten Erzeugerpreise. Mit 90,- bis 92,- DM/ 100 kg bei loser Anlieferung ohne Mehrwertsteuer notierten sie fast doppelt so hoch wie im Jahr 2000 zu Kampagnebeginn. So wurden die Landwirte preislich gesehen zu Erntebeginn für die bisher widrig verlaufene Frühkartoffelsaison entschädigt. Jetzt bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Preise auf einem einigermaßen hohen Niveau einpendeln und sich die Branche nicht gegenseitig die Preise "kaputt macht". Eine Chance besteht. Erstmals findet seit dieser Saison zwei Mal wöchentlich unter Leitung von Christoph Hambloch, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Frühkartoffelerzeugergemeinschaften, eine Telefonkonferenz zwischen Erzeugern und Vermarktern statt, um sich über Marktsituation und -erwartungen auszutauschen. Diese Art der Gespräche sind zwar nichts Neues, doch in dieser straffen Organisation haben sie Premiere. Marktteilnehmer aus Baden-Württemberg, der Pfalz, Niedersachsen und vom Niederrhein sind darin eingebunden. Im Südwesten stößt diese Art der Telefonkonferenz bisher auf ein absolut positives Echo.

Doch bei aller Preis-Euphorie, die auf Grund der guten Erzeuger-Einstandspreise entstehen könnte, muss schon jetzt davor gewarnt werden, die Frühkartoffelfläche in der nächsten Saison auszuweiten. Nach zwei Jahren mit unbefriedigenden Preisen ist endlich wieder ein Hoffnungsschimmer in Sicht. Es wäre schade, wenn man sich durch mangelnde Anbaudisziplin einen vielleicht ebenfalls guten Saisonbeginn im nächsten Jahr frühzeitig und hausgemacht zerstören würde. Unwägbarkeiten, wie beispielsweise den Frühkartoffelimport, gibt es genug. Da sollte zumindest vor der eigenen Haustür mit Vernunft gehandelt werden.


 
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