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Vorbei

Von Hermann Steffen, Bonn

Nun ist sie endgültig vorbei, die Hochpreisphase der Frühkartoffelsaison. Erstaunlich lange hat sie angehalten und die Beteiligten im Kartoffelgeschäft können sich nicht erinnern, dass die Frühkartoffelpreise in den letzten Jahren im Juni ein solch hohes Niveau hatten. Vorbei auch das "Mailoch", das sich bis weit in den Juni hineingezogen hat, mit einem sehr kleinen und bestenfalls bedarfsdeckenden Angebot. Die Gründe hierfür sind bekannt, denn die Zufuhr aus dem Mittelmeerraum fiel niedriger als erwartet aus und dürfte nach Schätzungen etwa 10 bis 15 Prozent unter der Vorjahresmenge liegen. Vor allem Spanien erfüllte nicht einmal die zurückgenommenen Erwartungen, kam sehr spät auf den Markt, so dass die Lieferungen schon fast wieder vorbei waren, kaum dass sie begonnen hatten.

Doch trotz der Engpässe: eine Versorgungslücke gab es zu keiner Zeit, denn die Beschaffung war nur eine Frage des Preises. Aber auch die Verbraucherreaktion blieb nicht aus. Denn bei Preisen von knapp 5,00 DM, zu denen der 2,5 kg Beutel im Lebensmittelhandel angeboten wurde, rückte der Kartoffelkauf für eine mehrköpfige Familie mit geringem Einkommen schon beinah in Nähe des Erwerbs von Luxusgütern. Kein Wunder, dass die Abpacker Unisono im Juni einen Rückgang um rund 10 Prozent konstatierten. Über die Relation des prozentualen Absatzrückganges und der prozentualen Preiserhöhung ließen sich sicher marktwirtschaftliche Studien herstellen, falls diese Kombination wissenschaftlich zulässig sein sollte. Auf den ersten Augenschein jedenfalls hat der Verbraucher nur mit mäßiger Zurückhaltung auf die drei- bis vierfachen höheren Preise der Frühkartoffeln gegenüber der alterntigen Ware reagiert. Sicherlich ein Indiz dafür, dass er die Knollen als Grundnahrungsmittel schätzt und in gewissem Rahmen bereit ist, dafür mal tiefer ins Portemonnaie zugreifen.

Der gegenteilige Beweis lässt sich sicherlich leichter erbringen, zumal hierfür in nächster Zeit reichlich Gelegenheit bestehen dürfte: Am Frühkartoffelmarkt fallen die Preise rapide, ohne dass sich daraus eine rasante Nachfrage ergeben wird. So haben sich in den vergangenen 14 Tagen die Kurse für beispielsweise Pfälzer Ware mehr als halbiert und ein Ende der Entwicklung ist noch nicht abzusehen. Doch die selbst gemachte Inflation hat Tradition und von Rodedisziplin ist wie in den vergangenen Jahren wenig zu spüren. Zu groß scheint die Verlockung, noch etwas von dem Preiskuchen abzubekommen, von dem schon jetzt nur noch kleine Krümel übrig sind. Hinzu kommt, dass in einigen Bundesländern bereits die Sommerferien eingesetzt haben, in denen der Handel bekannterweise über einen schwachen Absatz klagt.

Wenn von Ketten des Lebensmittel-Einzelhandels die Kartoffeln ab nächster Woche schon wieder zu Lockpreisen angeboten werden sollen, lässt dies für den Rest der Frühkartoffelsaison wenig Gutes erahnen. Denn dass sich fallende Preise für Grundnahrungsmittel nicht positiv auf eine Nachfragebelebung auswirken, ist ein ehernes marktwirtschaftliches Gesetz. So gesehen bietet die diesjährige Saison in einer relativ kurzen Zeitspanne wieder einmal alle Voraussetzungen für extreme Höhen und Tiefen, die den Frühkartoffelmarkt so häufig kennzeichnen.


 
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