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Verträge

Von Horst Hermannsen, München

Der zeitweise Preisdruck bei Speisefrühkartoffeln ist für etliche Marktteilnehmer überraschend. Hatten doch die ursprünglichen Ernteaussichten in Südeuropa, aber auch in den wichtigsten Produktionsregionen Nordafrikas zu Saisonbeginn zu einem vergleichsweise hohen Preisniveau geführt. Inzwischen sind die Notierungen jedoch insgesamt wieder spürbar abgebröckelt. Ein Grund für übertriebenen Žrger oder gar Panik besteht angesichts der Verhältnisse jedoch keineswegs. Dennoch - gerade im Späterntegebiet Bayern ist durchaus bei den Landwirten einige Enttäuschung zu verspüren. Nicht einmal in Ausnahmefällen konnten sie von den lukrativen Startpreisen profitieren.

Inzwischen wird innerhalb der Bauernschaft deshalb sogar Kollegenschelte betrieben. An dem relativ niedrigen Preisniveau, so jedenfalls wird vereinzelt behauptet, seien etliche Frühkartoffelerzeuger selbst Schuld. Sie hätten nämlich bereits im sehr zeitigen Frühjahr mit ihren Abnehmern Anbau- und Lieferverträge zu Festpreisen abgeschlossen, die unweigerlich zu den inzwischen so niedrigen Erzeugererlösen am "freien Markt" führen mussten. Diese wahrlich kühne Behauptung wird mit abenteuerlichen Argumenten belegt. Der Kartoffelhandel und die Verarbeitungsindustrie stünden untereinander in harter Konkurrenz. Deshalb, so meinen einige bäuerliche Kritiker, können und dürfen die vertraglich ungebundenen Partien nicht mehr kosten als die Vertragsware. Spätestens hier sollte man nicht mehr weiter nach logischen Argumenten suchen, denn man wird sie nicht finden. Vorverträge mit Festpreisen sollen ein unkalkulierbares Risiko für die Vertragspartner möglichst minimieren. Dies ist auch der Sinn der ganzen Aktion! Ein vernünftiger Frühkartoffelerzeuger wird dabei nur solche Preise von seinem Abnehmer akzeptieren, die eine Verzinsung seines eingesetzten Kapitals und seiner Arbeitsleistung ermöglichen. Steigen die Notierungen am freien Markt wesentlich höher an als seine Vertragspreise, wird er sich womöglich etwas ärgern; fallen sie indes, kann er vollauf zufrieden sein. Die Reaktion seiner Handelspartner ist - allerdings mit umgekehrten Vorzeichen - ganz ähnlich.

Wer dieses Wechselbad der Marktwirtschaft scheut, aber dennoch wenigstens die Abnahme seiner Ernte sichern möchte, dem bleiben Verträge auf der Basis von Tagespreisen. Ob diese Vertragsart aber wirklich in jedem Fall die bessere ist, kann bezweifelt werden. Gerade die Notierungen im Tagesgeschäft sind doch unter den beklagten Druck geraten. Übrigens ist es, unabhängig von der Vertragsform, stets gut, nur einen Teil seiner Ernte zu binden.


 
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